Der Bensberger Schlossweg
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Der Bensberger Schlossweg

Vor den Toren Kölns durch Wälder und Wiesen, vorbei an der Grube Cox

Schon am Morgen glitzert die Sonne durch unser Schlafzimmerfenster und lockt uns aus den Federn. Ein lauer Wind bewegt die bereits leicht verfärbten Blätter der Linde vor unserer Haustür. Spätsommer in Aussicht. Die perfekte (und gleichzeitig meine liebste) Jahreszeit um wandern zu gehen. Dabei entpuppen sich selbst die im Sommer überlaufenen Kölner Parks als Juwel, so schönt bunt und friedlich werden sie, je mehr sich der Herbst nähert. An diesem Sonntag nehmen wir uns nach einem ausgedehnten Frühstück und lässigem Start um 12 Uhr das Umland von Köln vor und erkunden Bensberg auf dem Bergischen Streifzug Nummer 13, dem Bensberger Schlossweg.

Naturoase: die Grube Cox

Ausgangspunkt ist das prunke Bensberger Schloss(-hotel), einfach zu erreichen mit der Bahn von Köln aus. Rund um das Schloss ist es noch etwas wuselig, so dass wenig von der Vorstadtidylle zu merken ist, nach der ich mich so gesehnt hab. Hotelgäste und Tagesgäste erkunden das Schloss, schießen Selfies und lassen sich in den angrenzenden Restaurants nieder. Nach ein paar mehr Schritten raus aus dem Wohngebiet und etwas mehr Geduld finde ich sie dann: die Ruhe des Waldes. Vor uns liegt der Lerbacher Wald, durchzogen von einigen Wanderwegen und Wasseradern. Wir folgen weiter dem Streifzug Nummer 13 und biegen nach links zur großen äußeren Runde ab. Insgesamt, so wissen wir nachher, warten insgesamt 11,6 km auf uns.

Nach etwa 20 Minuten treffen wir auf eine Weggabelung und checken sicherheitshalber per GoogleMaps unsere Lage. Zu unserer Überaschung liegt die Grube Cox, ein ehemaliges Abbaugebiet für Dolomit, nur 200 Meter entfernt von unserem Standort. Das lassen wir uns nicht entgehen, zumal Nick schon seit fast zwei Jahren davon schwärmt und mir diesen nur wenig bekannten Ort unbedingt zeigen wollte. Zu Recht! Auf einer Anhöhe angekommen, breitet sich vor uns ein weiter Blick über dieses wunderschöne Naturschutzgebiet aus. So unberührt, so pur, so friedlich. Einzigartig und selten zu finden in Köln. Wie zwei Naturforscher streifen wir bedächtig entlang der Grube, staunen über das kristallklare Wasser und die wie aus dem Nichts gewachsenen Seerosen. Ein besonderer Ort.

Zurück auf dem Hauptweg werden wir durch vielseitige Landschaften geleitet, was ich so gar nicht erwartet hätte. Mischwälder wechseln sich ab mit saftigen Wiesen, mal hüglig, mal flach am Bach entlang. Sogar an einer „Milchtankstelle“ kommen wir vorbei. Neben frischer Milch bekommt man hier beim Gut Lerbach auch Bauernhofkäse und Eier der freilaufenden Hühner, die wir neugierig wie zwei Stadtkinder bestimmt eine Viertelstunde lang beobachten. Unser Picknick legen wir mitten im Wald auf einer Lichtung ein, allerdings könnte man auch im „Naturfreundehaus Hardt“ einkehren, dessen Terrasse auch sehr einladend aussah.

Viel neugieriger stimmen uns auf der zweiten Hälfte des Weges allerdings vereinzelte wortkarge Personen mit Korb. Erst nachdem wir eine Frau ansprechen und einen Blick in ihren zunächst verdeckten Korb werfen wird uns klar: die Pilzsaison hat begonnen! Vom Jäger- und Sammlergen angesteckt, entdecken wir sie dann auch und können es nicht lassen weiterzusuchen. Zwischendurch eine Rückversicherung via Foto über WhatsApp mit der Mutter, dann geht´s weiter ans Sammeln. Stolz kehren wir mit einigen prächtigen Exemplaren im Jutebeutel zurück nach Köln und machen uns direkt an die Pfannen. Zwei große Portionen, Maronen gemischt mit Steinpilzen. Dachten wir. Ein erster Biss lässt uns stutzen… der bittere Geschmack enttarnt den schönen Steinpilz als Gallenröhrling, seinem gemeinen Doppelgänger. Unser Glück: giftig ist er nicht, aber ungenießbar und bitter für den Maronenpilz. Das nächste Mal dann doch besser vorher testen (Zungentest!) oder bei den gezüchteten Champignons bleiben. Aber Spaß hat es trotzdem gemacht.

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