Dreiklang des Wassers: Nordsee, Wattenmeer und Hammersee
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Dreiklang des Wassers: Nordsee, Wattenmeer und Hammersee

Eine Wanderung zum westlichen Ende von Juist

Am dritten Tag unserer Reise begrüßt uns die Sonne bei strahlend blauem Himmel. Wunderbares Wetter um bei einer Wanderung den westlichen Teil der Insel zu erkunden. Wir leihen uns zwei Fahrräder und lassen uns zunächst vom strammen kühlen Ostwind durch den zweiten wichtigen Ort der Insel – Loog – pusten. Das Örtchen wirkt etwas verschlafener als der Hauptort (auch „das Dorf“ genannt) und beherbergt das ein oder andere zauberhafte Ferienhäuschen. Auch das Küstenmuseum befindet sich hier mit einer kleinen feinen Präsentation der Inselgeschichte. Der Wind trägt uns von hier aus weiter bis zu unserem Ausgangspunkt, der Domäne Loog, wo wir ein paar Meter weiter unsere Fahrräder parken.

Dreiklang des Wassers: Nordsee, Wattenmeer und Hammersee

Ein Überflutungsgebiet wird zum Naturreservat

Hier am östlichen Teil des Hammersees starten wir unsere Wanderung. Der Hammersee ist ein etwa 17 Hektar großer und maximal 1 tiefer Meter Binnensee, der 1932 durch eine Sturmflut entstanden ist. Der Salzgehalt des Sees ging über die Jahre zurück und ist heute leicht brackig. Der Hammersee und das Gebiet um ihn herum sind heute ein wichtiger Lebensraum für viele Vögel und Insekten. Die zahlreichen Hummeln, Bienen und Schmetterlinge, die uns bei der Wanderung begleiten, bestätigen das.

Ein Überflutungsgebiet wird zum Naturreservat

Der Weg durch den Zauberwald

Wir laufen zunächst an der Südseite des Sees entlang, wo es anfänglich noch durch tiefe mit Kartoffelrosen bewachsene Dünenschluchten geht, die dann langsam in einen verwunschenen urwaldartigen Uferwald übergehen. Die knorrigen Bäume sind streckenweise zu einer regelrechten Decke zusammengewachsen, so dass man durch einen Tunnel aus wildem Geäst läuft. Die Atmosphäre ist so märchenhaft, dass man nicht wirklich überrascht wäre, wenn einem hier jetzt ein Kobold über den Weg liefe.

Der weitere Weg führt ein Stück am befestigten Rad- und Fußweg an der Südseite die endlos scheinenden Salzwiesen entlang. Tausende Wildgänse und andere Vögel sitzen auf den Wiesen oder fliegen kreischend in wilden Formationen am Himmel, während sich das Schilf im Ostwind biegt. Hier legen wir eine kurze Rast mit Brotzeit ein und genießen die Fernsicht bis zum Festland und zu den Inseln Borkum und Memmert.

Berühmt berüchtigt: der frischgebackene Stuten der Domäne Bill

Der weitere Weg führt durch einen teils waldigen und teil dünigen und vereinzelt sogar schon heideartigen Abschnitt hindurch, bis wir nach insgesamt etwa fünf Kilometern bei unserem ersten Zwischenziel, der Domäne Bill, ankommen. Hier kehren wir erstmal ein und stärken uns mit dem weit über die Deiche Juists hinaus bekannten Rosinenstuten, der hier in 4-Kilo-Laiben gebacken und backofenwarm in bibeldicken Scheiben mit Butter serviert wird. Der Stuten hat eigentlich kein besonderes Geheimnis. Was ihn ausmacht ist die Backofenfrische gepaart mit der aufwärmenden Wanderpause, nachdem man zwei Stunden von Sonne, Wind und Wetter durchgenommen wurde.

Bis ans Ende der Welt

Nachdem wir uns gestärkt und aufgewärmt haben, setzen wir unsere Wanderung weiter Richtung Westen fort bis zum Ende der Insel – dem Billriff. Das Billriff ist eine riesige, Juist vorgelagerte Sandbank, die einer Wüste gleicht. Der Wind bläst feine weiße Pudernebel über die endlos scheinende glitzernde Sandfläche. Am diffusen Horizont kann man manchmal Schiffe erahnen, es könnte aber auch eine Fata Morgana sein. Wüsste man es nicht besser, könnte man bei diesem Anblick auch der Theorie glauben schenken, dass die Erde flach ist und man am Ende des Horizontes von der Erde hinunterfällt.

Puderschneesand am Billriff

Wir umwandern das ganze Westkap bis zum Nordstrand und diesen noch ein Stück weit entlang und biegen auf Höhe der Domäne Bill wieder ins Inselinnere ein. Auf dem Rückweg halten wir uns auf den nördlichen Pfaden. Der Weg führt hier erstmal ein Stück weit durch einen Wald hindurch bis es durch hohe Dünen und anschließend an der Nordseite des Hammersees wieder zurück geht. Der nördliche Weg am See entlang gestaltet sich nochmal als etwas anstrengend, weil man über lockeren Sandboden läuft. Von hier aus kann man aber fast den ganzen Weg entlang über den gesamten See blicken, was auf dem südlichen Weg wegen des dichten Waldbewuchses nur an einigen wenigen Stellen möglich ist.

Starker kalter Ostwind erschwert den Heimweg

Nach gut 11 Kilometern kehren wir erschöpft und glücklich in der Domäne Loog ein und verschnaufen bei einem kühlen Erfrischungsgetränk, bevor wir uns wieder auf die Drathesel schwingen. Obwohl es nur knapp drei Kilometer zum Hotel sind, haben die es nochmal in sich, denn der stramme freundliche Ostwind, der uns heute morgen auf dem Hinweg fast wie von alleine hierhin getragen hat, entpuppt sich jetzt als strammer hundsgemeiner Gegenwind, so dass wir kaum vorwärts kommen. Wir schaffen es aber letztlich doch pünktlich mitten in die Maifestprozession hinein. Am Rande der Feierlichkeiten schnappen wir uns noch unauffällig ein Fischbrötchen und ein Eis, bevor wir erschöpft zu unserem Hotel zurückkehren.

Vom Wind durchgefröstelt und von der Sonne braungebrannt fallen wir mit euphorisierender Müdigkeit und glücklich vor Eindrücken ins kuschelige Bett und genießen die Ruhe, während die Bilder des Tages vor unseren inneren Augen ablaufen.

Unsere Wanderung (GPS aufgezeichnet bei komoot):

Thailand hat es Nick Reiter besonders angetan. Bereits fünfmal in Folge bereiste er dieses Land in den letzten 6 Jahren. Auf der Suche nach besonderen Abenteuern kommt er auf seinen Reisen schnell mit Einheimischen in Kontakt und mag es Kultur und Kulinarik abseits vom Touristenstrom zu erleben. Neben Landlinien gilt Nicks zweite Leidenschaft dem Kochen, welche er bei Lieblingsleckereien regelmäßig dokumentiert.

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