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Der Hexenweiherweg bei Nümbrecht

Rundweg ab Nümbrecht (6,2 km, 2 Stunden)
An diesem winterlichen Wochenende zieht es uns raus aus der Stadt ins Bergische Land. Im familiären Ferienhäuschen wollen wir es uns gemütlich machen, die Kälte durch das Feuer am Kamin und selbstgekochtes Curry vertreiben. Bevor wir uns aber der Entspannung hingeben, geht es an diesem Samstagmorgen zunächst auf eine kleine Wanderung. Nachdem jeder warm genug gekleidet und fertig gepackt ist, starten wir mit dem Auto zum Ausgangspunkt Nümbrecht. Vom Parkplatz im unteren Teil des Städtchens neben dem Pfannkuchen-Haus, ein Tipp zur Stärkung nach der Tour, laufen wir die Hauptstraße lang bis zum Kurpark. Nümbrecht verzaubert mit seinen vielen kleinen Fachwerkhäusern, dessen Fassaden traditionsgemäß mit Schiefertafeln verkleidet sind. Neben den beschaulichen Häuschen, lockt Nümbrecht auch Touristen aufgrund seiner Auszeichnung als heilklimatischer Kurort an. Das Tempo durch die Strasse ist anfangs noch langsam, da jeder von uns eine andere Attraktion entdeckt. Im Kurpark angekommen, startet die Tour an dem Sammelsurium der Wegweiser.

Dem Zeichen V5 folgend, wandern wir immer geradeaus, an einem steinernen Säulenbrunnen vorbei. Kurz links den Kurpark verlassend, streifen wir auf Höhe der Kurklinik eine Bushaltestelle an der wir für ein kurzes Stück links und dann gleich wieder rechts abbiegen. Nach einem kurzen Stück geradeaus, weiter aus Nümbrecht raus, erreichen wir den Geishardt. Von hier aus eröffnet sich uns ein weiter Blick ins Tal. Die Landschaft ist immer noch eingetaucht in Schnee, die Luft nebelig. Zeit für ein Foto von uns!

Von hier aus geht es zunächst rechts den Weg in den Wald lang, immer dem gelben X folgend. In dieser kleinen Rundtour erreichen wir den Aussichtsturm „Auf dem Lindchen“, von dem man aus einen wundervoll weiten Blick über das Siebengebirge haben soll. Da sich unter uns Fünfen drei Personen mit Höhenangst befinden, wird der Vorschlag dort hoch zu klettern schnell abgelehnt und wir werden es nie selbst herausfinden. Weiter geht´s. Wieder dem gelben X folgend, nur diesmal in die andere Richtung, erreichen wir wieder unseren Ausgangspunkt am Geishardt.

Diesmal laufen wir der asphaltierten Straße folgend geradeaus runter in Richtung des Dörfchens Spreitgen. Wie kleine Knusperhäuschen aus Hänsel und Gretel liegen sie da, die Dorfhäuser.

Als wir in dem Ort ankommen spinnen wir unsere Idee von einem eigenen Dorf und verteilen im Geiste wer wo wohnen würde. Und natürlich auch wer welche Tätigkeit im Dorf übernehmen würde. Schnell sind Alkohohol-Brennerei mit Ausschank, Bäckerei und Café sowie die Dorfbibliothek verteilt. Belustigt setzen wir unseren Weg rechts an der Postkutschen-Haltstelle vorbei fort, dem Kreis Symbol nach. Aus Spreitgen raus, geht es rechter Hand über den Wiesenweg am schwarzen Weiher vorbei bis zum Hexenweiher. Beiden Gewässern sagt man nach, dass sie Überbleibsel aus dem Mittelalter seien. Zu der Zeit solle man dort Frauen, die man als Hexen enttarnen wollte, fesselnd ertränkt haben. Schwammen sie nach dem Wurf ins Wasser an der Oberfläche, so wurden sie als Hexen identifiziert und im Anschluss verbrannt. Schwammen sie nicht oben, waren sie unschuldig, aber ebenso tot. Erschaudert von dieser Gruselgeschichte starrt uns der See nur unschuldig an. Schwer kann man sich vorstellen, dass er Scharen von unschuldigen Frauen auf dem Grund hortet…

Von diesem gruseligen Platz flüchtend, setzen wir den Weg links zur Straße hin gewendet fort. Der Bach, der parallel zu uns fließt, weist uns den Weg. Als wir auf die asphaltierte Straße stoßen, geht es zunächst einige Meter weiter geradeaus auf Asphalt bevor wir einer weiteren Straße links den Berg hoch folgen. Nach etwa 150 Metern bergauf – die ersten von unserem Wandertrüppchen fangen an zu fluchen – tauchen wir rechts ab in den Wald. Dieses Naturschutzgebiet erstreckt sich rund um das Schloss Homburg. An den „Dicken Steinen“ vorbei, die davon zeugen dass hier vor etwa 30 Millionen Jahren Thermalwasser aufgestiegen sein soll, erklimmen wir der Anhöhe links zum Schloss hoch. Zeit für eine Pause. Da das Schloss zu der Jahreszeit leider geschlossen ist, bleibt uns ein Besuch im kulturhistorischen Museum verwehrt. Dafür legen wir eine Pause unter einer Überdachung ein und stärken die hungrigen Bäuche.

Kurz darauf umrunden wir noch das Schloss, bevor es wieder zurück nach Nümbrecht geht. Auch im Winter hat es etwas Majestätisches mit einem erhabenen Ausblick über das Homburger Land. Bei dem Parkplatz vor dem Schloss tauchen wir wieder ein in den Wald und laufen einfach nur geradeaus, quasi parallel zur links liegenden Strasse. Am Naturlehrpfad biegen wir links ab zum bereits bekannten Geishard. Der Weg von hier aus zurück zum Kurpark ist uns vertraut. Wesentlich schneller als am Anfang, laufen wir ihn ohne nachzudenken zurück. Die Aussicht auf ein Feuer am Kamin und eine warmes Essen scheinen der Auslöser zu sein.

Alles in allem eine abwechslungsreiche Tour, was die Landschaft als auch die Sehenswürdigkeiten angeht. Von Wald über Wiesen bis Schloss und Mittelalter. Bei gemütlichem Tempo und Pausen an den einzelnen Sehenswürdigkeiten, kann man die Tour durchaus auf drei Stunden ausdehnen. Ein finaler Abstecher in Nümbrecht lohnt sich allemal. Wer wie wir nun hungrig geworden ist, dem kann ich auf jeden Fall das Pfannkuchen-Haus empfehlen. Stilvoll und extrem lecker kann man ebenfalls Kaffee und Kuchen im Cafe Ley genießen. Und ganz besonders traditionell sind natürlich die bergischen Tafeln. In urigem Ambiente bietet dies Holsteins Mühle an. Zugegeben etwas touristisch und teuer dort, aber unumstritten urig. Kurzer Hinweis vorweg: wenn, dann sollte man die bergischen Tafeln auf jeden Fall vor der Wanderung essen. Danach bleibt einem nur zurück ins Auto zu rollen.

Die Idee für diesen Weg habe ich aus der Broschüre „berg.wege“ von der Naturarena Bergisches Land. Dort sind insgesamt 21 interessante und ganz unterschiedliche Wandertouren für das Bergische Land beschrieben. Wie zum Beispiel die „Erzquellroute Bielstein“. Empfehlenswert ist neben der Broschüre aber auch eine Wanderkarte von der Region oder zumindest ein GPSfähiges Gerät zur Orientierung.

Nümbrecht
Alle Infos zu dem heilmlimatischen Ort im Oberbergischen Kreis findet ihr:
http://www.nuembrecht.de
Schloss Homburg
Schloss Homburg 1
51588 Nümbrecht
Tel: 02293 91 01-0
Service: 02293 9101-16
schloss-homburg@obk.de
www.schloss-homburg.de

Pfannkuchen-Haus
Hauptstrasse 60
51588 Nümbrecht
Tel: 02293 3530
a.weber@pfannkuchen-haus.com
www.pfannkuchen-haus.com
Täglich geöffnet von 12 bis 14 Uhr und 18 bis 22 Uhr, Sa & So von 11.30 bis 22.00 Uhr

Cafe Ley
Hauptstrasse 29
51588 Nümbrecht
Tel: 02293 2222
peter-ley@web.de
www.cafe-ley.de
Täglich geöffnet von 12 bis 18 Uhr, außer Montag

Holsteinsmühle
Holsteinsmühle 1
51588 Nümbrecht
Tel: 02293 6956
info@holsteinsmuehle.de
www.holsteinsmuehle.de
www.bergische-gastlichkeit.de
Geöffnet von Di-Fr von 11 bis 18 Uhr & Sa-So 10 bis 18 Uhr

Landlinien wurde Anfang 2009 von Designerin Daniela Klütsch gegründet. In ihrer Agentur daklue beschäftigt sie sich hauptberuflich mit Kommunikation für nachhaltige Unternehmen. Wie beim Reisen spielt auch dort das Thema „Entschleunigung“ eine große Rolle. Wenig kommunizieren, dies aber bewusst, achtsam sein, mit sich selbst und seiner Umwelt… das sind Gedanken die sie Tag für Tag antreiben

3 Kommentare

  1. Pingback: Die Erzquellroute Bielstein | Landlinien Outdoor-Reiseblog

  2. Hallo!

    Bin heute zum ersten Mal einen Wanderweg von deiner Seite nach gegangen. Der war wirklich schön und die Beschreibungen passten. Auch das Pfannkuchenhaus war wirklich super schön und lecker und nicht wirklich teuer.
    Danke für den schönen Tipp und ich lauf jetzt bestimmt noch den ein oder anderen Weg den du rausgesucht hast.

    Gruß
    Basti

  3. Huhu Basti,

    ohhhh wie schön! Das freut mich zu lesen. 🙂

    Nümbrecht ist schon ein feiner kleiner Ort, oder? Bist Du denn auch am Schloss vorbei gekommen und hast einen Blick von dort oben ins Tal geworfen? Immer wenn ich in der Gegend bin, schau ich, dass ich dort eine Runde drehen. Sich danach mit Leckereien belohnen kann man dort auch sehr gut. Etwas touristisch aber trotzdem sehr urig ist die „Holsteins Mühle“. Bei Kaffee und Kuchen (oder wer sich traut „Bergische Taffel“) kann man hier zurück in die Vergangenheit reisen.

    Um Schloss Homburg gibt es übrigens noch weitere sehr ausgeschilderte Wanderwege. Da braucht man eigentlich auch keine Karte und kann einfach so drauf loslaufen. Das Bergische Land macht wirklich eine ganze Menge um die Wanderweg fit zu halten. Wenn Du Lust hast noch mehr zu laufen davon, kannst Du auch mal hier schauen: http://www.dasbergische.de/

    Liebe Grüße aus Köln
    Daniela

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