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Unterwegs am Bodensee – Natur, Botanik, Wasser und mehr

Im Frühjahr 2014 begann meine Überlegung für das erste Urlaubs- und Bildungsziel für das laufende Jahr. Hierbei gab es eigentlich nur zwei Kriterien: Der Zielort sollte möglichst gut mit dem Zug zu erreichen sein und das Umfeld heterogene informative Tagesausflugmöglichkeiten bieten. Da ich in der Vergangenheit oftmals Richtung Norden und Westen unterwegs war, ging meine bevorzugte Suche dieses Mal in die entgegengesetzte Richtung und  – aus mittlerweile nicht mehr exakt nachvollziehbaren Gründen, trotz oben genannter Kriterien – landete ich relativ schnell im Zielgebiet Bodensee. Hier war ich einmal als kleines Kind mit meinen Eltern gewesen, aber da dies nun schon über 30 Jahre her war, überzeugte mich die Mischung aus Wasser, Berge und Städte. Die Anreise aus Köln mit der Deutschen Bahn war flugs gebucht und auch eine nette kleine Unterkunft schnell gefunden. Dort sollte es also Mitte Juni für eine Woche zum entspannen als auch zum „informativen Sightseeing“ hingehen.

Anreise an den Bodensee

Sowohl für die Hin- als auch die Rückfahrt mit der Bahn wählte ich eine Fahrt mit jeweils einem Umstieg (einmal in Offenburg, einmal in Karlsruhe) und schon alleine der Streckenabschnitt durch den frühsommerlichen Schwarzwald konnte als optimaler Start in den Urlaub angesehen werden. Am Konstanzer Bahnhof angekommen, waren es lediglich ein paar Minuten Fußweg zu meiner gewählten Ferienwohnung, welche sehr zentral als auch nur wenige Meter von der Grenze in die Schweiz entfernt lag. Dies sollte sich als optimale Ausgangslage für die kommenden Tage herausstellen und ist an dieser Stelle jedem wärmstens zu empfehlen (wenn man nicht über 190 cm gross ist).

Ankunft in Konstanz

Der erste Abend wurde nur noch in einer der naheliegenden Kneipen kulinarisch beendet, so dass am nächsten Tag die erste Erkundung von Konstanz rechtzeitig starten konnte. Da ich mich im Vorfeld dann doch nur bedingt über die lokale Infrastruktur informiert hatte, wurde an der Touristen-Information eine sehr gute Übersichtskarte erworben (ein Euro, der a) gut investiert war und b) gegenüber den oftmals zwar kostenlosen, aber auch inhaltlosen, Stadtplänen eindeutig im Vorteil war) und im Laufe des Tages vor allem das Konstanzer Bodenseeufer bewandert, inklusive mittäglicher LandArt-Pause. Hierbei konnte ich auch schon direkt feststellen, dass die im Vorfeld von einigen Bekannten prognostizierte „Seniorenschwemme“ doch noch gut überschaubar war und das Urlaubspublikum durchaus altersgemischt war.

Blütenvielfalt auf der Insel Mainau

Nachdem der erste „volle“ Tag relativ entspannt verlaufen war, stand am folgenden Tag bereits ein besonderes Highlight auf dem Ausflugsplan. Meine Kurtaxe ermöglichte die Gratis-Nutzung des sehr guten örtlichen Busnetzes und brachte mich früh morgens direkt vor die Eingangstüre der Insel Mainau. Bei bestem Wetter konnte ich mich den ganzen Tag ruhig über die Insel treiben und von den unterschiedlichen Naturbereichen inspirieren lassen. Viele kleine Ecken abseits des „normalen Touristenstroms“ luden zum entspannen ein und alleine die unterschiedlichen Blickmöglichkeiten auf den Bodensee waren diesen Tagestrip wert. Aber natürlich gab es auch unzählige interessante floristische Besonderheiten. An dieser Stelle seien exemplarisch nur die Metasequoia-Allee, der Insektengarten, das Schmetterlingshaus und die unzähligen Rosenbeete zu nennen.

Ein Tag in Zürich

Ausgehend vom Konstanzer Bahnhof bestand die Möglichkeit mehrere interessante Schweizer Städte relativ einfach mit dem Zug zu erreichen und meine Wahl fiel hierbei auf Zürich. Nach etwas mehr als einer Stunde Fahrt erreicht man den imposanten Züricher Hauptbahnhof. Ein paar Euros in Schweizer Franken umgetauscht – mittlerweile doch ein seltsames Gefühl, da man dies zu Eurozeiten ja kaum noch kennt – ging die Erkundung Zürichs zu Fuß durch die, leider zu sehr durch den Autoverkehr dominierte westlich des Limmat gelegene, Innenstadt mit dem Ziel der Sukkulenten-Sammlung Zürich. Um die 6500 Sukkulentenarten bedeuten die artenreichste Sammlung der Welt und die Vielfalt dieser Pflanzen war sehr beeindruckend. Mit der Fähre ging es zurück Richtung Innenstadt und zu Fuß durch den östlichen des Limmat gelegenen (schöneren) Teil der Altstadt zum Hauptbahnhof und zurück nach Konstanz.

Konstanz entdecken

An diesem Tag wurde dann nochmals die Konstanzer Altstadt näher unter die Lupe genommen. Während der südliche Teil der Altstadt doch eher das Thema „Shopping“ bedient, empfiehlt sich der kleine nördliche Teil rund um den Konstanzer Münster. Der Aufstieg auf den Münsterturm bietet eine fantastische Rundumsicht mit Weitblick über den Bodensee sowie die unterschiedlichen Landschaften (Berge, Stadt und  grünes Landesinnere) rund um Konstanz. Wieder auf dem Boden angekommen, bieten die (wenigen) idyllischen Gassen der nördlichen Altstadt einen charmanten Charakter und laden zum Verweilen in einer der Lokalitäten ein.

Um jedoch dem Bewegungsdrang noch ein wenig Auslauf zu verschaffen, bietet sich als weitere Etappe der Gang über die Stadtbrücke am Sternenplatz und dann entlang am Bodenseeufer Richtung Osten an. Hierbei passiert man u.a. die Konstanzer Spielbank und den kleinen Yachthafen, während man auf teils bewaldeten und ufernahen Wegen spaziert. Eine kurze Pause kann man schon hier an manch schönem Wasserfleckchen einlegen – und wird zumeist von neugierigen Spatzen dabei beobachtet – oder man steuert direkt das Strandbad Hörnle am östlichsten Punkt von Konstanz an, wo ein wunderbarer kostenfreier Naturstrand inkl. einiger weiterer Freizeitmöglichkeiten (div. Sportarten; Spielplatz) zum Geniessen und Entspannen warten. Für den Rückweg besteht auch von hier alternativ die sehr gute Möglichkeit der kostenfreien Bus-Nutzung.

Unterwegs auf dem Bodensee

Eine Schifffahrt auf dem Bodensee bietet viele neue „optische Perspektiven“ auf die umliegende Landschaft des Bodensees. In Konstanz lassen sich hier sehr viele unterschiedliche Touren buchen, meine Auswahl fiel auf die etwas längere Tour nach Lindau, mit mehreren kurzen Zwischenstopps an Orten des nördlichen Bodenseeufers.

Mit dem Betreten von Lindau erreicht man auch kurzfristig „bayrisches Territorium“, während alle meine anderen deutschen Bodenseeausflüge in Baden-Württemberg lagen. Bei einer kleinen Wanderrunde durch das historische Zentrum von Lindau – liegend auf einer Insel – gibt es vor allem sehr viele unterschiedliche Baudenkmäler und Kirchen zu besichtigen, welche neben der Hafeineinfahrt mit Leuchtturm und „Bayrischem Löwen“ optisch herausragen.

Meersburg erwandern

Zum Abschluss des Aufenthalts am Bodensee stand noch ein Besuch von Meersburg auf dem Plan. Auch hier wieder flugs mit einer der Fähren aus Konstanz „rüber auf die andere Seite“ und schon bei der Anfahrt zeigt sich ein imponierendes Bild von neuem Schloss sowie alter Burg. Schnell die sehr touristisch ausgelegte Meersburger Seepromenade durchkreuzt, entschädigt auch der Blick von der Schlossterasse dieses „kleine Manko“. Von hier aus kann man dann auch sehr gut auf den 6 km langen Weinkunde-Panoramaweg starten, der zur Hälfte als Höhenweg den ständigen Bodenseeblick erlaubt und an insgesamt 18 kleinen Tafeln über die angebauten Rebsorten, die Kultivierung der Reben sowie die ortsansässigen Weinbauberiebe informiert. Je nach persönlicher Ambition gibt es jedoch auch noch weitere alternative Wanderrouten „rund um Meersburg“.

Das grosse, ultimative, unumstössliche, finale Fazit 🙂

Alles in allem war ich mit meiner Entscheidung für diese Woche sehr zufrieden. Sowohl die unterschiedlichen Möglichkeiten für das „eher wenig machen“ als auch die inhaltliche Mannigfaltigkeit der Ausflugziele haben meine Vorstellung gut getroffen. Daher kann ich jeden nur dazu ermuntern, das Gebiet „rund um den Bodensee“ zu erkunden – eine Woche bekommt man hier in jedem Alter sehr abwechslungsreich gestaltet.

P.S.:

…die Insel Mainau hat ausser Blumen auch noch andere interessante „Kreationen“ zu bieten.

Marcel Hövelmann schreibt für Landlinien am liebsten über das Wandern in seiner Wahlheimat Köln (und drumherum). Seit mehr als 20 Jahren erkundet der ausgebildete Geograph sowohl zu Fuß als auch mit dem Rad die Naturvielfalt, die das Rheinland zu bieten hat. Ab 2017 ist er dann für Landlinien auch mit Verstärkung unterwegs und erkundet, wie und wo das Wandern mit Baby möglich ist. Eine Auswahl seiner eigenen Projekte kann man unter www.urbangruen.de finden.

3 Kommentare

  1. Pingback: Unterwegs am Bodensee – ein Blogpost | Urban Grün – Ideen für Stadt | Mensch | Natur

  2. Toll, an den Bodensee muss ich auch unbedingt noch einmal.

  3. Auf jeden Fall! Das lohnt sich, gerade wenn man wenig Zeit hat und viel sehen will 🙂

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