In einer schlaflosen und lautstarken Nacht im Jacobs Ladder Inn, habe ich mir einen Plan für die nächsten Tage zurecht gelegt. Weiterlaufen werde ich nicht, verärgert rumsitzen aber auch nicht. Mir ist es zu heikel auf gut Glück weiter und dabei Gefahr zu laufen, dass die Unterkünfte zum Wochenende hin ausgebucht sind und ich die Strecke bis zum Busbahnhof nicht schaffe. Irgendwann ist diese Reise und dann auch dieser Weg zu Ende. Das kann ich auch nicht ändern, indem ich einfach immer weiter laufe. Aufgrund dieser Tatsache blicke ich nach vorne und freue mich auf das, was noch kommt.

Trebah Garden

Mit dem 500er Bus braucht man nur 20 Minuten bis Trebah Garden von Falmouth aus. Auch wenn man durch das entschleunigte Tempo beim Laufen am Meisten von der Landschaft und den Leute sieht, so taucht man mit dem Bus in eine ebenso spezielle Welt ab. Zu der Uhrzeit sind einige Einheimische auf ihrem alltäglichen Weg zur Arbeit, Familie oder Sonstigem unterwegs. Gerade erst geöffnet, ist es ruhig im Trebah Garden. Ich nutze den Moment und gönne mir ein zweites Frühstück mit Tee und Schoko-Muffin auf der Terrasse. Eine neugierige Amsel leistet mir dabei Gesellschaft. Mit einem Plan vom Park in der einen und der Kamera in der anderen Hand, lasse ich mich einfach treiben durch den bunten Garten. Das Grundstück zieht sich in die Länge gezogen bis zum Meer. Das Anwesen von Trebah wurde erstmals Anfang der 11. Jahrhunderts erwähnt. Danach war es lange in Besitz von cornischen Gutsherren und wechselte bis in die 1980er Jahre seine Besitzer. Seitdem wurde der Garten von seinen neuen Besitzern hergerichtet und 1987 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Schon vor 160 Jahren wurden hier die ersten Bäume gepflanzt. Heute blühen in Trebah neben 100 Jahre alten Rhododendron viele weitere subtropische Pflanzen. Vom Koi Pool über das Bambus Feld bis hin zur Brücke am Meer, strahlen zwischendurch immer wieder bunte Rhododendron Büsche auf. Die Farben sind so intensiv, ihre Größe so ausladend, dass ich immer wieder die Kamera raushole. Gedankenverloren tauche ich ab in dieses Meer der Natur. Hier ist alles so unberührt und friedlich, dass ich mich gar nicht mehr trennen möchte. In dem Shop zum Garten gibt es lauter feine Sachen, die das Gärtnerherz höher schlagen lassen. Ich versuche mich mal an dem Kauf dreier einheimischer Samentütchen und einer DVD über Cornwalls schönste Gärten. Ein kleiner Schwatz mit der Verkäuferin über den „beautiful garden“, das grandiose Wetter und ihren Respekt über die Strecke, die ich auf dem Coast Path gelaufen bin, rundet den Tag in Trebah Garden harmonisch ab.

Trebah Garden
Mawnan Smith Nr Falmouth
Cornwall TR11 5JZ
Tel: +44 (0)1326 252200
mail@trebah-garden.co.uk
www.trebahgarden.co.uk
Täglich geöffnet ab 10 Uhr

Alle Bilder dieses Ausflugs habe ich außerdem hier zusammengestellt:
Fotoalbum “Trebah Garden” bei flickr (50 Bilder)

Roseland Roseland Roseland Roseland Roseland Roseland

Roseland Penisula

Einen weiteren Teil des South West Coast Path lässt sich auch von Falmouth aus bewandern. Auf einer 3-stündigen und 10 Kilometer langen Rundtour auf Roseland Penisula läuft man immerhin ein Stück auf dem Coast Path. Wer früh los will, nimmt die erste Fähre um 8 Uhr 30 vom Prince of Wales Pier in Falmouth bis nach St. Mawes. Neben einer Schulklasse und ein paar Fischern, bin ich an diesem Morgen der erste Tourist auf dem Pier. Das Wetter ist wieder sonnig, aber auch windig. St. Mawes ist ein geschäftiges, wohlhabendes Städtchen. Statt Hostels oder B&Bs, säumen sich hier schicke Hotels an der Hafenmeile. Reiche Briten lassen sich hier für ein paar Stunden von Einheimischen raus zum Segeln oder Angeln mitnehmen. Oder wie ich mit der ersten Fähre um 9 Uhr 30 rüber nach Place. Am Boot und der Freundlichkeit des Fahrers merkt man schnell, dass man wieder auf dem Land ist. Er fragt interessiert wo ich herkomme, was ich Cornwall mache und wie es mir gefällt. Freude teilen kann so einfach sein. Bevor wie an dem kleinen Pier in Place anlegen, lässt er noch zwei Einheimische bei ihren Boot in der Bucht raus. Von Place aus laufe ich rechts hoch an einem alten Friedhof vorbei Richtung Meer. Stille kehrt ein, Falmouth ist nur noch in der Ferne zu erkennen. Der Blick von hier oben runter auf das Meer, entdecke ich einen einsamen Sandstrand neben dem anderen. Kaum zu glauben, dass die Städter sich da auf den nahen Stränden der Stadt quetschen. Nach den Stränden erreiche ich St. Anthonys Head, eine ehemalige Schutzposition der Briten in den beiden Weltkriegen. Auf dem Coast Path bin ich immer wieder an derartigen Schauplätzen vorbei gekommen. Ein mulmiges Gefühl begleitet mich jedes Mal dabei. Ungeachtet dieser historischen Ereignisse, blüht hier das Gras saftig grün und die Wildpflanzen wie sie gerade wollen. Da ich noch verhältnismäßig viel Zeit bis zur letzten Fähre um 16 Uhr 15 hab, steige ich beim Porthbeor Beach runter ans Meer. In Ruhe kann ich hier mit nackten Füßen durch den Sand laufen, die durch das Meer geformten Wellen fotografieren und einfach nur da sitzen. Nach etwa einer Stunde treibt es mich dann aber weiter. Gerne würde ich ab hier weiter laufen, könnte dann aber Probleme mit der Zeit bekommen. Etwas widerwillig biege ich am Towan Beach wieder links ab ins Land. Durch lichte Wälder und grüne Wiesen geht es zur anderen Seite der Roseland Penisula. Wenn nun auch das Meer hinter mir liegt, ist die Landschaft hier ganz zauberhaft. Der Weg schlängelt sich geheimnisvoll zwischen Bäumen, Buchten und Bänken durch bis zum Ausgangspunkt Place.

Alle Bilder dieses Ausflugs habe ich außerdem hier zusammengestellt:
Fotoalbum “Roseland Peninsula” bei flickr (53 Bilder)

Trelissick Garden 02_trelissick 03_trelissick 04_trelissick 05_trelissick Trelissick Garden

Trelissick Garden

Im Vergleich zu Trebah Garden ist Trelissick Garden weitaus kleiner und demnach auch schneller erkundet. Etwas enttäuscht bin ich schon, muss ich zu geben, als ich in knapp einer Stunde den gesamten Park erkundet habe. Jedoch bietet die aktuelle Kunstausstellung im Park dafür etwas Abwechslung. Interessante Objekte, zum Teil zum selbst ausprobieren, sind zwischen den Pflanzen installiert. Wer den Tag in Trelissick noch ausdehnen möchte, kann dies mit der Wandertour einmal rund um den Park machen. Die „North“ Route geht durch einen Wald eng am Fluss entlang. Von hier aus bieten sich immer wieder spannenden Blicke auf den River Fal. Weiter kann man über die „South“ Route neben Kühen zum Meer laufen und von da aus wieder zurück nach Trelissick. Da ich beide Routen schnell gelaufen bin, habe ich für den Nachmittag noch so viel Zeit, dass ich die Fähre um 15 Uhr Richtung Truro nehmen kann. So fahre ich den ganzen Fluss bis zum oberen Ende ab und wieder zurück nach Falmouth. So eine Bootstour auf dem Wasser hat auch was. Besonders wenn man dort Dinge entdeckt, die man sonst dort nicht erwartet. Als wir um eine der Kurven biegen liegt dort schwer und mächtig ein riesengroßer Kahn im Wasser. Aus Hamburg. Verwundert spreche ich das britische Paar neben mir an, ob sie wüssten was dieser riesen Kahn in diesem kleinen Gewässer macht. Interessiert erklärt mir der Brite, dass dies ein altes Transporterschiff für Luxusautos sei, das keine Aufträge mehr hat. Arbeitslos. Seit 10 Jahren liegt er jetzt schon hier. Ich bin verwundert, dass so ein Kahn über eine derart langen Zeitraum hier liegen kann. Warum es nicht in einem Hafen oder einer Werft liegt, will ich wissen. Das wäre doch zu teuer, grinst der Brite mich zurück an. Komische Welt!

Trelissick Garden
Feock (in der Nähe von Truro)
Cornwall
TR3 6QL
Tel: +44 (0)1872 862090
trelissick@nationaltrust.org.uk
www.nationaltrust.org.uk/main/w-trelissickgarden
Täglich geöffnet von 11 bis 16 Uhr, im Sommer von 10.30 bis 17.30 Uhr

Alle Bilder dieses Ausflugs habe ich außerdem hier zusammengestellt:
Fotoalbum “Tressnik Garden” bei flickr (53 Bilder)

Eden Project

Für meinen letzten Tag habe ich mir das Eden Project aufgehoben. Reiseführer und Internetrecherchen lassen zwar vermuten, dass dies eine Touristenattraktion ist. Aber nun haben mir Eden Project schon soviel Einheimische empfohlen, dass es mich doch interessiert. Außerdem ist das Wetter heute nicht so brillant, dass sich 4 Stunden Busfahrt hin und zurück ertragen lassen. Inklusive Anreise und Eintritt kostet das Ticket nur 17 £. Im Vergleich zum normalen Eintrittspreis von 16 £ günstig. Auf der Busfahrt muss ich zweimal umsteigen, was aber dank Busfahrplan, den ich im Tourist Office in Falmouth bekommen habe, und freundlicher Unterstützung der Briten super klappt. Gegen 11 Uhr komme ich am oberen Parkplatz des Eden Project an und laufe bis zum Haupteingang. Der Ansturm an der Kasse bestätigt die Andeutungen des Reiseführers: es ist eine Touristenattraktion. Und mehr als das: Eden Project ist ein beliebtes Ziel für britisches Familien mit Kindern am Wochenende. Besonders wenn es regnet, so wie heute. Da ich die Umstände nicht ändern kann und auch nicht umkehren will, besorge ich mir einen Plan und laufe jede Station des riesen Parks ab. Ich muss schon zugeben: ein beeindruckendes Projekt. Auf den außengelegenen Feldern, säumen sich Heilpflanzen, Gemüsebeete, Wildblumen, heimische Gewächse und Bäume nebeneinander. Alles informativ beschriftet, alles gut zu verstehen. Noch spannender sind natürlich die zwei Biome, in denen der Regenwald und die mediterrane Pflanzenwelt nachgebaut ist. Besonders beeindruckend ist das Regenwald-Biom. Das muss man sich mal vorstellen: mitten im kühlen Großbritannien laufe ich durch den Regenwald zwischen hohen Palmen, Reisfeldern und Kakaopflanzen. Irre. Nur leider kann ich diese Pracht nicht in Ruhe genießen, da es hier unglaublich voll ist. Wie soll ich mir den vorstellen, dass ich gerade durch die Flora der Seychellen laufe, wenn mir alle halbe Meter ein Brite auf die Füße tritt? Dem Menschenstrom entfliehend, rette ich mich nach draußen zu den einmischen Pflanzen Cornwalls. Da ist nämlich niemand.

Eden Project
Bodelva
St Austell
Cornwall
PL24 2SG
Tel: +44 (0)1726 811 911
www.edenproject.com
Geöffnet von Ende Februar bis Ende Oktober

Alle Bilder dieses Ausflugs habe ich außerdem hier zusammengestellt:
Fotoalbum “Eden Project” bei flickr (32 Bilder)

Die Unterkunft

Als Alternative habe ich in Falmouth das Castelton Guesthouse entdeckt. Obwohl das River Fal Festival kommendenes Wochenende startet, ist hier noch ein Einzelzimmer frei. Ein wenig außerhalb vom Zentrum, aber doch nur 10 Minuten vom Busbahnhof entfernt, liegt das B&B an der Killigrew Street. Das Engleton neben an als auch das Castelton sind beides alte gregorianischen Stadhäuser. Dadurch haben sie ihren ganz eigenen Charme. Das Zimmer ist zwar klein, aber absolut gemütlich. Frische Bettwäsche und Handtücher liegen bei meiner Ankunft bereit. Auf einem kleinen Schränkchen unter dem Fenster stehen wie so oft Tee, Kaffee und Ingwerplätzchen bereit. Die Sonne strahlt den ganzen Tag über sanft durch das kleine Fenster in das Zimmer. Und es ist ruhig, weit ab vom Stadtlärm. Beim Frühstück kann man wählen zwischen üppig britisch oder einfach kontinental. So oder so: lecker!

Das Frühstück

  • Full english oder continental
  • Preis in der Übernachtung enthalten

Der Preis

  • ab 27,50 £/ pro Person und Nacht mit Frühstück

Das Angebot

  • mehrere Zimmer, auch Einzelzimmer
  • TV auf jedem Zimmer
  • Bad in den Zimmern
  • zentral gelegen

Anschrift
Castelton Guesthouse
68 Killigrew Street
Falmouth Cornwall
TR11 3PR
Tel: +44 (0)1326 372644
dawnemmerson@aol.com
www.cornwall-online.co.uk/castleton

Alternativen
Engleton Guest House
67 Killigrew Street
Falmouth Cornwall
TR11 3PR
Tel: +44 (0) 1326 372644
Tel: +44 (0) 7736 684666
dawnemmerson@aol.com
www.cornwall-online.co.uk/engleton
Zimmer ab 29 £ pro Person und Nacht

 

1 Kommentar

  1. Pingback: Rückblick auf den Coast Path | Landlinien Outdoor-Reiseblog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.