4400 km Strecke. In 10 Tagen durch 6 Länder. Von Düsseldorf über den Atlantik nach Schottland und zurück. Angefangen im südlichsten Dover. Umgekehrt im nördlichsten Ullapool. Von der rechten auf die linke Spur. Von Euro zu Pfund. 58 Stunden im Auto. 200 Stunden an der frischen Luft. Den Wohnwagen als blinden Passagier immer hintendran. Zwei Navis im Doppelpack für die sichere Fahrt vorwärts. Kilometer für Kilometer Richtung Norden mehr Berge, mehr Ruhe, mehr Schafe. Und Wasser. Loch, River, Sea, Fall. Eben noch im rechten Augenwinkel, dann wieder am Horizont. Nie mehr als 70 km entfernt vom Innland. Schotterplätze und Wiese sind unsere künftigen Quartiere. Der Wohnwagen unsere neuen 4-Wände. Nachbarn meist britisch. Manchmal deutsch. Selten spanisch. Und nur dann auch richtig laut. Mal alle Völker gemischt. Mal sortiert nach Briten und Nicht-Briten.

Ansonsten ist man eher unter sich. Die Camper halt. Da wird beobachtet, beurteilt, verglichen und gestaunt. Jeder hat sein Ritual. Jeder auf seine Art.

Einparken, rangieren, parken, abkurbeln, Auto platzieren, Stützen ausfahren, justieren, Gleichgewicht herstellen, Kontrolle mit rollender Haarsprayflasche auf dem Wohnwagenboden, nachjustieren, Stromanschluss, Abwasseranschluss, Gasanschluss, Kühlschrank umstellen, Warmwasser an, Fenster auf, lüften, Beobachter-Stalker-Vorhänge aufziehen, Position einnehmen, beobachten, lästern, Kühltruhe aus dem Auto in den Wohnwagen, die Rücksäcke auch, Zeitschriften an ihren Platz, Technikrucksack an seinen Platz, Handtücher an ihren Platz, alles an seinen Platz, Espresso aufsetzen, Milch dazu, trinken, durchatmen: angekommen! Touren-Ziele abgesteckt, aufgezeichnet, abgeklärt. Auf dem Plan steht: wandern in den Highlands, Fish & Chips mampfen, Fischern im Hafen zugucken, Möwen füttern, einfach nur die Landschaft aufsaugen, British Breakfast essen, Grillen, auf eine der schottischen Inseln, Gälisch hören, Einsamkeit finden, ans Meer, aufs Meer (mit dem Boot), fangfrischen Fisch essen, schottisches Bier trinken, Schafe streicheln, Sonnenuntergang gucken, im Meer schwimmen, weißen Sand und türkisfarbenes Wasser sehen, Haggis in Inverness essen, im Loch Ness bei Nacht schwimmen… Zwischen planen und treiben lassen geht ein Ziel nach dem andern in Erfüllung. Tipp am Rande: mit Kompass kommt man schneller ans Ziel. Die Knipse dokumentiert den Weg dorthin. Landschaft überrascht. Neuseeland, Österreich, Dänemark, Deutschland, Irland, England, Italien, Frankreich im Wechsel in einem Land. Das Herz schlägt nach 5 Tagen Schottland 20 Pulsschläger langsamer. Entspannt genug um zu lesen und zu schweigen. Wären da nicht die Midges. Die Biester. Nur die Flucht in die Wohnwagen-Höhle hilft. Die Landschaft beruhigt. Die Menschen auch. Fischer sortieren fangfrische Krebse in großen Kisten. Rothaarige Jungs spielen Dudelsack. Ihre sommersprossigen Freundinnen tanzen dazu. Die Sonne scheint ihnen ins Gesicht. Friedlich. Ein Anruf aus der Heimat lässt die Seifenblase platzen. Der Pulsschlag erhöht sich um 30 Schläge nach oben. Whiskey beruhigt die Nerven. “Herzlichen Glückwunsch: der Alltag hat Sie auch im fernsten Winkel von Schottland gefunden! Tätä!” Es geht früher zurück als geplant. Vorbei an Inverness und Nessie (Winke-Winke). Die gute Nachricht ist: Schottland kann nicht weglaufen. Wir schon. Wohin wir wollen, so schnell wir wollen, wann wir wollen. Beim nächsten Mal. Dann mit Rucksack und 4 Beinen, die uns durch das Land tragen. In diesem Sinne: Slàinte mhath!

Alle Bilder dieser Tour habe ich außerdem hier zusammengestellt:
Fotoalbum “Schottland 2009” bei flickr (101 Bilder)

Bei so einer freien Reise mit dem Wohnwagen ist wenn man erst wirklich frei, wenn man sich so wenig wie möglich  festlegt. Natürlich sollte man im Vorfeld in Frage kommende Campingplätze und Stellflächen recherchieren. Aber richtig Spaß macht es dann, wenn man spontan entscheiden kann. Außreichend ist im Prinzip eine grobe Routenplanung mit Zielorten. Dabei sollte man jedoch nicht zu großzügig mit den Kilometern schätzen, da Schottland viel zu schön ist um nur im Auto zu sitzen.

Die Route
Dover – Preston – Inveraray – Glencoe – Fort William – Isle of Skye – Kyle of Lochalsh – Gairloch – Ullapool – Inverness – Dover

Die Campingplätze

Inveraray
Argyll Caravan Park
Inveraray, Argyll PA32 8XT, United Kingdom
Tel: (+44) (0) 1499 302285
enquiries@argyllcaravanpark.com
www.argyllcaravanpark.com
Geöffnet von Anfang April bis Ende Oktober

Fort William
Glen Nevis Holidays Ltd
Glen Nevis, Fort William PH33 6SX
Tel: (+44) (0)1397 702191
holidays@glen-nevis.co.uk
www.glen-nevis.co.uk

Isle of Skye
Staffin Camping & Caravan Site
Staffin, Portree, Isle Of Skye IV51 9JX, United Kingdom
Tel: (+44) (0) 1470 562213
www.staffincampsite.co.uk
staffincampsite@btinternet.com

Gairloch
Sands Caravan & Camping
Gairloch, Wester Ross, IV21 2DL
Tel : (+44) (0)1445 712 152
info@sandscaravanandcamping.co.uk
www.sandsholidaycentre.co.uk

Landlinien wurde Anfang 2009 von Designerin Daniela Klütsch gegründet. In ihrer Agentur daklue beschäftigt sie sich hauptberuflich mit Kommunikation für nachhaltige Unternehmen. Wie beim Reisen spielt auch dort das Thema „Entschleunigung“ eine große Rolle. Wenig kommunizieren, dies aber bewusst, achtsam sein, mit sich selbst und seiner Umwelt… das sind Gedanken die sie Tag für Tag antreiben

3 Kommentare

  1. Wir wollen in den Pfingstferien vlt auch nach Schottland. Wie ist das mit dem Wohnwagen, unserer ist nämlich ziemlich breit und ich wollte fragen ob das ein Problem ist in Schottland.

  2. Wir wollen mit Wohnwagen ab Juni nach Schottland und suchen gleichgesinnte.Wo kann man solche Kontakte
    finden ?f

  3. Hallo Dagmar,

    gute Frage 🙂 Wir haben vor unserer Reise nicht direkt in Foren oder im Social Web gesucht und eher vor Ort Leute auf den Campingplätzen kennengelernt. Ich fürchte da kann ich Euch nicht direkt weiterhelfen.

    Liebe Grüße aus Köln,
    Daniela

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