Da haben wir was angefangen… einmal auf dem Brett gestanden, mit Wind im Segel übers Meer geglitten und dabei die Sonne im Gesicht genossen, kommen wir nicht mehr davon weg. Dem Windsurfen. Seit unserem Sommerurlaub an der Ostsee sind wir dieser Sportart der Elemente verfallen. Es ist schon fast wie eine Sucht, gerade wenn man mehrere Tage am Stück auf dem Brett steht. Wie ein Fisch auf dem Trockenen, sehnt man sich nach dem welligen Wasseruntergrund, der windigen Geschwindigkeit und sogar nach den nassen Neoprenanzügen. Um so nervenaufreibender, wenn dann der Wind ausbleibt und man nach jedem noch so leichten Windhauch lechzt.

Um eine derartige Windniederlage, wie wir sie nach dem Urlaub einmal beim Üben auf dem heimatlichen Unterbacher See bei Surf´n´Kite erlebt haben, möglichst zu vermeiden, rüste ich mein Smartphone mit der Windfinder App auf. Jetzt wird vor der Wochenendplanung nicht nur nach dem Wetter geschaut, sondern auch nach dem Wind. Um noch einmal in diesem Jahr mehr oder weniger garantiert auf´s Brett zu kommen, planen meine Schwester und ich ein Surfwochenende in Holland Anfang Oktober. Noch kurz vor Saisonende und mit (laut Windfinder App und Berichten) guten Windverhältnissen, bietet das Zeil- & Surfcentrum Brouwersdam uns eine hervorragende Anlaufstelle. Auch als Anfänger können wir hier ohne Probleme mit Surfschein Material leihen und auch verschiedene Segel testen. Vorteilhaft ist außerdem die geschützte Bucht, in der man durchweg stehen kann. Ohne Wasserstartkenntnisse und zum Üben erstmal super.

Ganz in der Nähe von Brouwersdam finden wir eine sehr nette, niedliche Pension in Renesse namens De Vier Seizoenen. Hier nächtigen wir für 35 € die Nacht inklusive Frühstück und sehr freundlichem Service. Renesse lädt morgens, wenn erst wenige Menschen wach sind, zu einem ausgedehnten Spaziergang am Meer ein. Dann kann man schon mal Reiter mit ihren Pferden am Strand lang galoppieren sehen oder Möwen, wie auch Menschen, beim Krebsfang beobachten… Ansonsten beeindruckt uns Renesse nicht in dem Maße wie das mondäne Domburg, doch kann man hier auch gemütlich Chocomel trinken und bei C1000 einkaufen gehen. Das reicht auch vollkommen aus, denn schließlich sind wir ja zum Windsurfen hier.

Dieser Vorsatz bleibt erstmal ein Vorsatz in den ersten zwei Tagen. Denn, wie kann es anders sein, es ist vollkommen windstill. Etwas enttäuscht warten wir optimistisch auf den Wind, können uns aber ganz gut anderweitig ablenken. Denn wo es an Wind mangelt da strahlt an diesen Tagen die Sonne wie im schönsten Sommerurlaub. Und das am 1. Oktober! Noch mit leichter Herbstgrippe in den Knochen, wechsele ich nach und nach mein Outfit von Jacke und Schal zu FlipFlops und Bikini. So unglaublich warm ist es. Der Strand und die Surfschule in Brouwersdam machen auch so Spaß. Am ersten Tag zelebrieren wir den Sommer und holen das nach, was wir des Öfteren im „richtigen“ Sommer dieses Jahr verpasst haben. Die Terrasse der Surfschule steuert das nötige Beachfeeling bei. Sanfte Rhythmen schallen aus den Lautsprechern. Man sitzt draußen und beköstigt sich mit Cocktails und vollen Tellern mit den leckersten Gerichten.

Doch nach spazieren gehen am Strand, lecker Essen, gutem Buch und Cocktail, werden wir wieder unruhig. Wo bleibt der Wind? Um nicht ganz untätig rumzusitzen, schnappen wir uns für den Rest des Tages ein Stand Up Paddle Board (SUP) und paddeln für zwei Stunden über die spiegelglatte Bucht. Jetzt wissen wir warum SUP unter anderem auch als „Flautensport“ bezeichnet wird. Und es wirkt! Dachten wir zu erst, überheblich wie wir sind jetzt als (neue) Windsurfe: „Nee, das ist doch nicht sportlich genug!“, so stellen wir nach einigen Metern paddeln fest, wie doch sehr sportlich SUP sein kann und wie viel Spaß es macht. Schneller als gedacht kommen wir vorwärts, bis zu einer kleinen Insel auf der eine Seerobbe in der Sonne faulenzt. Ganz nah sind wir dran, an der Seerobbe, dem Wasser, der Natur. Eine sehr schöne, neue Erfahrung, die uns „mit“ Wind und wegen der unnötigen Überheblichkeit dieses Jahr fast entgangen wäre. Neben dem paddeln reizt uns die Experimentierfreude. So hatte ich im Sommer bereits bei Facebook das erste Mal ein Video über Yoga auf dem SUP Board gesehen. Als Yogaschülerin für mich eine sehr große Freude! Jetzt wo wir selber auf dem Board stehen, probieren wir das natürlich direkt aus.

Von ersten Gleichgewichtsübungen wie dem Baum, direkt in den Sonnegruß bis zur Krähe. Und ja, wir bleiben auf dem Board! Großartig

Der nächste Tag beginnt windig. Endlich. Entsprechend schnell haben wir die Sachen gepackt, gefrühstückt, ausgecheckt und eingekauft. Noch vor 12 Uhr sind wir startklar für die Wellen und den Wind. Es ist im Vergleich zu gestern schon eine ganze Ecke kälter. Ok, wir haben schließlich den 3. Oktober. Herbst also. Nachdem wir in der Surfschule eingecheckt haben, wird uns wiedereinmal sehr freundlich weitergeholfen. Neben dem Neoprenanzug, dürfen wir uns auch ein Segel aussuchen. Optimistisch suchen wir uns beiden ein 4.0 aus. Schön lila auch noch. Während wir uns umziehen, wird unser Segel für uns gespannt und aufgerüstet. Kurz danach watscheln wir, mit dem Rücken und dem Mast zum Wind, wie brav gelernt, zum Ufer der Bucht, wo die Boards gestapelt lagern. Wir ziehen zwei 175 Liter Boards raus bis ins Wasser, docken das Segel an, checken noch mal die Windrichtung und steigen dann schließlich auf. Derjenige, der gesagt hat Windsurfen sei wie Rad fahren, der hat Recht. Grübele ich noch auf Land über Ausweichregeln und Wendemanöver, gleite ich auf dem Wasser einfach so dahin. Lediglich das unbekannte Material bereitet mir Startschwierigkeiten. Mehrfach rutsche ich auf dem Board aus, finde schlecht Halt und kann mein Segel bei dem Wind einfach nicht halten. Ich gebe zu: der Wind ist schon etwas anders als auf dem Unterbacher See in Düsseldorf. Nix gemütlich, sondern sportlich. Während meine Schwester sich aus der Bucht raus zu den Speedsurfern traut, kämpfe ich noch mit meinem Segel und schippere sicher von einem Ufer zum nächsten. Doch irgendwie macht das keinen Spaß mit dem für mich zu großen Segel. Kein Problem. Ich strande und tausche mein 4.0 Segel gegen ein 3.4 Segel ein.

„Das kleinste Erwachsenen-Segel, das wir da haben“, grinst mich der Surflehrer an. Er flüstert weiter: „Und wenn das nichts ist, dann kriegste auch nen Kindersegel.“

Na super, jetzt ist schon mal klar, dass ich definitiv ein Anfänger bin. Aber was soll´s? Für´s Üben und Ausprobieren bin ich schließlich hier. Erleichtert darüber das große Segel los zu sein, versuche ich es erneut mit dem Kleineren. Auch meine Schwester klagt über Schulterschmerzen wegen dem schweren Segel und tauscht ihres um. Nach ein paar Runden von Ufer zu Ufer geht es schon sehr viel besser, doch bald haben wir beide keine Puste mehr. Der Wind ist inzwischen noch stärker und der Himmel noch grauer geworden. Aufhören oder weitermachen? „Nur ein Stündchen“ rufe ich. Mit der Prämisse ein letztes Mal das Segel zu tauschen. Habe einfach keine Lust mehr ins Wasser zu fallen. Also wieder hin, zugeben dass auch das Segel für mich nicht so optimal ist und ein vertrautes Schülersegel schnappen. Ein 3.0 mit dem wir auch an der Ostsee gelernt haben. Erst als ich wieder auf dem Brett stehe, glücklich über das Fliegengewicht der Segels, stelle ich fest, dass ich ein 2.5 geschnappt habe. „Haha, das ist doch genau das richtige für mich!“ rufe ich erleichtert zu meiner Schwester. Und in der Tat, zum einfachen Üben ohne große sportliche Herausforderung komme ich damit am Besten klar.

Wir drehen unsere letzten Runden bis uns die warme Dusche und das leckere Essen an Land locken. Vom Ufer aus gesehen, ist das Surfen ebenso schön. Gerade hier wo die Surfer direkt vor unserer Nase im Wahnsinns Speed hin und her rasen. Jedoch erregt eine Blondine in der Stehbucht mehr und mehr unsere besondere Aufmerksamkeit, denn sie fährt alles andere als langsam. Mit irrem Speed surft sie jedes Mal auf das Ufer zu, so dass man denkt im nächsten Moment könnte sie auf dem Land stranden. Doch vorher bremst sie dann entweder elegant ab, halst und fährt im selben Speed in die entgegengesetzte Richtung weiter. Oder sie dreht ganz einfach über Wasser in der Luft. Erstaunt, mit Mund offen sitzen wir da und beobachten diese unglaubliche Surfblondine, bis fast die Sonne untergeht. Passender könnte dieser Tag und somit die Surfsaison 2011 für uns auch nicht zu Ende gehen. Hoch motiviert mit dem Vorsatz mindestens genau so gut wie die Blondine surfen zu können, schmieden wir bei der Rückfahrt in die Heimat neue Surfpläne für 2012…

„Windsurfen“ waren wir auch hier:

Landlinien wurde Anfang 2009 von Designerin Daniela Klütsch gegründet. In ihrer Agentur daklue beschäftigt sie sich hauptberuflich mit Kommunikation für nachhaltige Unternehmen. Wie beim Reisen spielt auch dort das Thema „Entschleunigung“ eine große Rolle. Wenig kommunizieren, dies aber bewusst, achtsam sein, mit sich selbst und seiner Umwelt… das sind Gedanken die sie Tag für Tag antreiben

5 Kommentare

  1. Klasse Bericht…Ich war zeitgleich am Gardasee, allerdings zum Kitesurfen, Surfblondinen gibts auch dort:-) Die Bilder sind prima, danke!

  2. Landlinien

    Scheint etwas mit der Haarfarbe zu tun zu haben… oder mit der vielen Sonne, die die Haare automatisch hell färbt. 🙂 Kitesurfen am Gardersee ist natürlich auch nicht schlecht. Und Windsurfen kann man da auch? Wie lang geht denn da die Saison?

  3. boardbabe

    Schöner Bericht! Danke! 🙂

  4. Landlinien

    Danke Dir!

  5. Pingback: Auf den Wellen von Dunfanaghy | Landlinien Outdoor-Reiseblog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.