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Via de la Plata (Tag 10): Gemischte Gefühle

San Pedro de Rozadas – Salamanca (24,1 km)
Nach einer erholsamen Nacht bei Regen und einem kurzen spanischen Frühstück bestehend aus Café von Leche, laufen wir an diesem Tag unsere letzte Etappe für diese Reise. Unser Ziel ist Salamanca. Eine Mischung aus freudiger Aufgeregtheit und trauriger Wehmut mischen sich in meinem Kopf. Die Sonne, die Landschaft lassen mich für einen Moment wieder vergessen. Nach genau einer Stunde und fünf Kilometern erreichen wir auch schon das beschauliche Morille. In dem schönen, verschlafenen Dorf blinzelt die Sonne zwischen den alten Häuschen auf und geleitet uns geradewegs in eine kleine Bar. Dort frühstücken wir ein zweites Mal. Diesmal mit Gebäck zum Café con Leche. Die feurige Spanierin hinter der Theke überhäuft uns mit Lobeshymnen, dass wir die Via laufen und dass sie ganz beeindruckt ist. Das vermute ich zumindest in den Wortfetzen erkennen zu können, da mein Spanisch ja nur aus Bruchteilen eines Wörterbuches besteht. Wie gerne würde ich ihre Wort aufgreifen und ihr sagen wie wundervoll das Pilgern ist und wie grandios unser Weg bisher war. Stattdessen antworte ich nur mit einem breiten Grinsen. In diesem Moment nehme ich mir ganz fest vor zu Hause Spanisch zu lernen. So gut, dass ich wieder hierher zurückkehren und ihr einwandfrei antworten kann.

Unsere letzten 19 Kilometer laufen wir ohne längere Pause durch bis Salamanca. Fast wie besessen, als wir zum ersten Mal die Stadt in der Ferne erblicken. Immer wieder angetrieben von der freudigen Erwartung auf das vorerstige Ende. Auf dem Weg dorthin esse ich meinen letzten Müsliriegel, den ich nun schon den ganzen Weg mitgeschleppt habe. Die Natur um mich herum sauge ich auf im Bewusstsein, dass dies für heute das letzte Mal sein wird. Der Außenbezirk von Salamanca zieht sich scheinbar endlos in die Länge. Es geht über Asphalt und Bordsteine, parallel zu Straße, an sterilen Neubauten vorbei. Der Weg durch die Stadt, der Lärm der vielen Autos und die Menschen zerren an den Nerven. Einzig ruhig sind die beiden antiken Turmspitzen im Zentrum der Stadt, die bei jedem Schritt näher rücken. Über eine alte Römerbrücke gelangen wir schließlich in die mit Kopfstein gepflasterte Stadt. Da sind wir. Wir haben es geschafft: 180,3 Kilometer in 9 Tagen.

Für den Moment bin ich sprachlos. Kann nicht genau identifizieren ob ich mich freuen oder traurig sein soll. Zwar haben wir unser gestecktes Ziel erreicht, doch bin ich innerlich noch nicht angekommen. Zeit für eine Pause und Essen. Bevor wir uns richtig auf die Stadt einlassen können, müssen wir zunächst noch eine Unterkunft für die letzten beiden Nächte suchen. Zu unserem Pech ist in Salamaca wieder alles „completo“, da am Montag ein weiterer Feiertag ansteht. Auch die nette Dame im Tourist Office am Rathausplatz kann uns bei der Suche nach einem günstigen Zimmer nicht weiterhelfen. Dafür buchen wir jetzt schon mal die Bustickets für die Rückfahrt zum Flughafen in Madrid. Was man hat, hat man. Bleibt uns letztendlich nichts anderes übrig, als ein teures Hotel für 90 € die Nacht zu nehmen. Leicht deplaziert schlurfen wird über den roten Teppich mit unserem verstaubten Wanderschuhen und den schweren Rucksäcken. Als wir das Zimmer mit Badewanne, Fernseher und frischen Handtüchern betreten, muss ich schon schmunzeln. So wie wir die Tour begonnnen haben, so beenden wir sie auch: als Luxuspilger.


Auf unserer Reise haben uns lediglich die beiden Reiseführer von Rother und vom Conrad Stein Verlag (siehe Infos unten), sowie ein Portion Vertrauen begleitet. Die Via, das muss man schon sagen, ist sehr gut gekennzeichnet mit gelben Pfeilen und der Jakobsmuschel. Wenn man sich an diese Markierungen hält, kann man fast ohne Reiseführer laufen. Was die Unterkünfte angeht, so macht es Sinn vorher zu recherchieren in welchem Ort es welche Unterkünfte gibt. Nur um sicher zu gehen, dass man auch einen Schlafplatz bekommt. Da man aber nicht immer genau voraussagen kann wo man an welchem Tag sein wird, weil man zum Beispiel wegen Blasen an den Füßen ein Tag aussetzt oder eine Station überspringt, hilft hier das bereits genannte Vertrauen. In jedem Dorf gibt es eine Möglichkeit der Unterkunft für Pilger. Auch wenn man am Anfang des Weges noch viele Gedanken damit verbringt zu überlegen ob man auch wirklich einen Schlafplatz und genug Nahrungen finden wird, so legen sich diese Sorgen nach den ersten drei Tagen erfolgreicher Bettruhe und Nahrungsaufnahme.

Via de la Plata
Jakobsweg von Sevilla nach Santiago de Compostela

Autor: Cordula Rabe
Verlag: Bergverlag Rother
Auflage: 1. Auflage 2006 (19. Oktober 2006)
ISBN-10: 3763343334
ISBN-13: 978-3763343331
Preis: 14,90 €

Spanien: Jakobsweg
Via de la Plata: Der Weg ist das Ziel

Autor: Raimund Joos, Michael Kasper
Verlag: Conrad Stein
Auflage: 5. Auflage (11. März 2011)
ISBN-10: 9783866862517
ISBN-13: 978-3866862517
Preis: 14,90 €

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