Mit dem Kinderwagen rund um Stommeln
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Mit dem Kinderwagen rund um Stommeln

Die alte Heimat als Mama neu entdecken

Die Rückkehr in meinen Heimatort Stommeln letztes Jahr im Oktober fühlte sich an wie eine Mischung aus „nach Hause kommen“ und „wieder Kind sein“. Grundsätzlich ein schönes Gefühl, doch sind in der Zeit zwischen Kind sein und erwachsen werden einige Jahre vergangen. So leicht tritt man dann doch nicht in die alten Fußstapfen und merkt erst danach, dass sie zu eng geworden sind. Besonders nach Henris Geburt fühlte ich mich in meiner Heimat wie eine Fremde. Nicht Fisch, nicht Fleisch. Nicht mehr Städter, noch nicht Dörfler. Irgendwas dazwischen. Zugegeben, ich vermisste mein „altes Ich“ mehr denn je, neben dem Ortswechsel verstärkt durch meine neue Rolle als Mutter. Meine Freunde und Bekannten aus Köln liefen mir nicht mehr zufällig über den Weg, zumal mir jegliche Zeit fehlte, überhaupt vor die Tür zu gehen. Die Distanz zum nächsten Supermarkt schien mir gigantisch, ganz zu schweigen vom nächstliegenden Café. Was vorher in der Stadt zu Fuß oder mit dem Rad erledigt wurde, erledigte hier die Fahrt mit dem Auto. Mal eben zum Yoga? Undenkbar! Einfach losgehen und sich durch die Straßen treiben lassen? Geht vielleicht eine Stunde lang, dann hat man alles gesehen! Ja, ich war deprimiert, unsicher und von dem Gedanken geplagt, mit dem Umzug aufs Land vielleicht doch die falsche Entscheidung getroffen zu haben.

War! Das ist das Stichwort, denn die Zeiten ändern sich, oder besser gesagt, die Zeit veränderte mich. Auch wenn man neun Monate lang schwanger geht, ist man mit der Geburt des eigenen Kindes nicht auf einmal Mutter: Man wird es erst. So habe ich es zumindest erlebt. Zu Anfang habe ich mich eindeutig wie ein anderen Mensch gefühlt und damals in mein Tagebuch notiert: „Ich bin jetzt jemanden anderes.“ Das stimmt nach wie vor, allerdings hat es an Dramatik verloren. Fast ein ganzes Jahr hat es gebraucht, bis ich meinen Frieden mit dieser „Transformation“ gefunden habe, und bis ich wieder angekommen bin in meiner alten Heimat.

Dies ist mir ab dem Zeitpunkt gelungen, ab dem ich aufgehört habe, das Alte zu vermissen und nach etwas Besserem zu suchen. Ich war wieder „da“ und habe die Schönheit um mich herum entdeckt, die mir sonst wahrscheinlich verborgen geblieben wären.

Auf Entdeckungstour

Angefangen hat es mit dem ersten Schritt vor die Tür. Das Haus verlassen. Die Nachbarschaft erkunden. Langsamen Schrittes Vorgärten und Häuser begutachten. Den Spaziergang ins Dorf zur Routine werden lassen. Die Ruhe am Morgen genießen. Am Brunnen Picknick machen. Von der Bäckersfrau erkannt werden. Auf einen Schwatz hier und da einlassen. Die Ruhe des schlafenden Babys zu schätzen wissen. Alte Bekannte treffen. Fremde Nachbarn ansprechen. Neue Freundschaften schließen. Die Uhren etwas langsamer ticken lassen. Den ganzen Tag an der frischen Luft sein. Mal keinen Autolärm rund um die Uhr ertragen. Nur das Rauschen der Bäume hören. Mit der Mutter und der Schwester und dem eigenen Sohn im Garten sitzen. Mutter und Tochter sein. Zurücklehnen. Das Leben spüren.

Das was bleibt

Neu verliebt in meine Heimat habe ich mich während der vielen vielen Spaziergänge, die ich seit Henris Geburt durch das Dorf gedreht habe. Dort habe ich vor allem alte Orte neu entdeckt und mich daran erfreut, dass sie so lange Bestand haben. Es gibt immer noch das kleine Wäldchen hinter unserem Haus, in dem ich als Kind mit meiner besten Freundin aus der Nachbarschaft herum geklettert bin und Schnecken gesammelt habe. Es gibt immer noch die enge Gasse mit den steilen Rampen, die meine Schwester mit sieben Jahren auf dem Fahrrad freihändig runtergefahren ist und sich dabei nach einem Sturz einen Vorderzahn rausgehauen hat. Es gibt immer noch dieselben Verkäuferinnen bei Rewe an der Kasse, die ich noch aus Grundschulzeiten kenne. Es gibt soviel, an das ich mich erinnere, was noch da ist, und was ich jetzt anders zu schätzen weiß als damals.

Meine 4 Lieblingstouren

Bei jeder Jahreszeit war ich unterwegs, Henri in der Trage oder im Kinderwagen, bei Sonnenschein als auch bei Regenwetter. Anfangs waren es nur kleine Runden bei uns hinterm Haus. „Einmal übers Feld“ wie damals in der Stadt „einmal um den Block“. Mit der Zeit wurden die Runden immer größer und die Strecken länger. Ich fand neue Lieblingsorte und entwickelte eigene Lieblingsstrecken. Vier davon möchte ich in diesem Beitrag mit Euch teilen. Ich habe sie bei komoot als GPS-Strecke aufgezeichnet und mit Fotos bestückt, so dass ihr sie runterladen und nachgehen könnt. Alle Strecken sind gut mit dem Kinderwagen befahrbar und von der Länge her etwa 4-6 Kilometer lang. Eine gute Mittagsschlaflänge :-) Viel Spaß beim Entdecken und Spazieren!

Landlinien wurde Anfang 2009 von Designerin Daniela Klütsch gegründet. In ihrer Agentur daklue beschäftigt sie sich hauptberuflich mit Kommunikation für nachhaltige Unternehmen. Wie beim Reisen spielt auch dort das Thema „Entschleunigung“ eine große Rolle. Wenig kommunizieren, dies aber bewusst, achtsam sein, mit sich selbst und seiner Umwelt… das sind Gedanken die sie Tag für Tag antreiben

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