Trauerfeier in Thailand
Asien Reiseberichte Thailand

Gastfreundschaft auf Thailändisch

So anders die Bräuche, so groß das Herz der Menschen

Thailand ist weltweit als „Das Land des Lächelns“ bekannt. Die Offenheit und Freundlichkeit der Menschen und deren ruhige Gelassenheit wirken auf uns Europäer beim ersten Besuch vielleicht zunächst etwas befremdlich. Ich hatte Danni vor unserer Reise viel erzählt von dieser Menthalität, aber dennoch ist sie am ersten Tag etwas irritiert, weil ich die Leute auf der Straße freundlich grüße. „Kanntest du den?“, fragt sie. „Nein, aber wenn man sich begegnet oder zufällig anschaut, grüßt man sich.“, antworte ich.

Wir mitten drin!
Wir mitten drin!

Wie tief diese Herzensgüte in den Menschen steckt, erleben wir, als wir in Khanom auf der Suche nach einem riesigen liegenden Buddha sind, der sich beim Wat Tha Noi Khunaram befinden soll. Als wir dort ankommen, findet gerade eine Zeremonie statt, und es kommt sofort ein junges Mädchen namens Ton auf uns zugelaufen. Sie fragt uns, wo wir herkommen und was wir hier wollen, der schöne Strand sei die Straße zurück. Als wir ihr sagen, dass wir den liegenden Buddha suchen, sagt sie, das Foto in Google Maps sei falsch, der befände sich nämlich über 100 km entfernt. Wir sagen ihr, dass wir uns den Tempel trotzdem gerne anschauen möchten und schauen aus einiger Entfernung den singenden Mönchen bei der Zeremonie zu. Eine Frau fordert uns freundlich auf, uns dazuzusetzen, was wir ehrfürchtig und etwas unsicher tun.

Ohne es zu bemerken, stecken wir mit in einer Trauerfeier
Ohne es zu bemerken, stecken wir mit in einer Trauerfeier

Als wir uns so umschauen und etwas abseits eine weiße, blinkend beleuchtete und geschmückte Kiste entdecken, dämmert es uns langsam: Wir sind auf einer Beerdigungsfeier. Wir schlucken tief und sind ergriffen. Kurz danach endet die Zeremonie und sofort bildet sich eine große Traube aus neugierigen Menschen um uns herum, die uns alle von Ton vorgestellt werden. Der Verstorbene ist Tons Opa und war wohl eine sehr große Persönlichkeit. Sie wollen alles von uns wissen. Was uns ausgerechnet nach Khanom treibt. Wie wir hier hingekommen sind. Wie unsere Kultur ist… Wir kommen uns vor wie Aliens. Wie habt ihr unseren Planeten gefunden? Wie seid ihr durch All hier her gereist? Da alle nur wenige Worte englisch sprechen, nutzen wir eine Übersetzer-App auf Tons Smartphone, um uns zu unterhalten. Nun müssen wir aber auch noch unbedingt mit der gesamten Familie zusammen essen, fordert Ton uns auf.

Einladung zum Essen
Einladung zum Essen mit der Familie

Unsere peinlich berührten Ablehnversuche werden ignoriert und so sitzen wir als Hauptattraktion mit allen am Tisch und bekommen höllisch scharfe thailändische Hausmannskost serviert. Als ich auf die Frage ob es uns schmeckt mit “Aroj mak mak!” antworte, ist der Jubel groß, und die freudige Botschaft wird sofort aufgeregt Richtung Küche gerufen. Da wir es irgendwann vor Überwältigung nicht mehr aushalten, und wir plötzlich im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen statt der Dahingeschiedene, verabschieden wir uns nach dem Essen langsam freundlich. Bei der Abfahrt zittern wir trotz der Hitze fast vor Ehrfurcht und vor dieser unendlich scheinenden Gastfreundschaft und Offenheit, und wir spüren, wie schwer es uns mit unserer tief sitzenden westlich verklemmten Menthalität paradoxerweise fällt, mit so viel ehrlicher Herzlichkeit umzugehen.

 

Thailand hat es Nick Reiter besonders angetan. Bereits sechsmal in Folge bereiste er dieses Land in den letzten 7 Jahren. Auf der Suche nach besonderen Abenteuern kommt er auf seinen Reisen schnell mit Einheimischen in Kontakt und mag es Kultur und Kulinarik abseits vom Touristenstrom zu erleben. Neben Landlinien gilt Nicks zweite Leidenschaft dem Kochen, am Liebsten asiatisch.

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