Abtauchen ohne Plastik: Ocean Film Tour (Vol. 4)
Aktion & Event Ans Meer

Abtauchen ohne Plastik: Ocean Film Tour (Vol. 4)

Abtauchen ohne Plastik auf der Ocean Film Tour (Vol. 4)

Das Meer… Anziehungspunkt, andere Welt, unbeschreibliche Kraft. 71 % der Erdoberfläche sind von Meeren bedeckt, eine Lebensgrundlage für unser gesamtes System, aber auch Schauplatz großer Abenteuer. Über die Meere hinweg sind die Menschen gereist, um Kontinente zu entdecken, ihre Ängste überwindend, in tosenden Wellen. Heute schmeißen wir uns mit Surfbrett oder Kite in die Wellen, ein Gefühl von Einheit mit dem Element Wasser, fasziniert von der Unterwasserwelt und entschlossen sie zu beschützen.

IOFT 2017 PlakatZum vierten Mal in Folge bringt die International OCEAN FILM TOUR diese berauschenden Abenteuer, mutige Menschen mit inspirierenden Geschichten und spektakulären Aufnahmen auf die Leinwand. Seit Anfang März macht das Team rund um die Tour gleich mehrmals Station in über 40 Städten in Deutschland. An dem Filmabend werden insgesamt 7 Filme über etwa 2 Stunden gezeigt. Neben einem unterschätzten Segelprofi, der Schönheit des Kiteboardings und surfen im eiskalten Nordatlantik Islands, ist „Plastikverschmutzung der Meere“ eines der Schwerpunktthemen der diesjährigen Tour. In der Dokumentation A PLASTIC OCEAN gehen die Filmemacher der Quelle des Plastiks auf den Grund und verdeutlichen, welch bedeutenden Einfluss unser Konsum darauf hat.

 

Abtauchen ohne Plastik: Ocean Film Tour (Vol. 4)In diesem Zusammenhang sprachen wir mit Marcella Hansch, Vorstandsvorsitzende und eine der Gründerinnen von Pacific Garbage Screening. Im Rahmen ihrer Masterarbeit hat sie bereits an einer „Lösung für saubere Meere“ gearbeitet. Zusammen mit ihrem Team arbeitet sie an einer schwimmenden Plattform, deren spezielle Bauweise es ermöglichen kann, Plastikpartikel aus dem Wasser zu filtern. Wie das ganze funktioniert erklärt sie uns im Interview (leicht gekürzt).

Marcella, worum geht es genau beim Pacific Garbage Screening?

Die Idee war ursprünglich die Abschlussarbeit meines Architekturstudiums. Ich habe mich dabei mit Lösungen auseinandergesetzt, wie man es schaffen könnte, den ganzen Plastikmüll aus den Meeren zu bekommen und habe in diesem Zuge eine Plattform entwickelt, die genau das schafft, die den Müll über einen passiven Prozess herausfiltert und über verschiedene Prozesse energieautark und co2-neutral verarbeitet, um neuen Biokunststoff herzustellen.

Technologie des Pacific Garbage Screening
Technologie des Pacific Garbage Screening (Foto © Marcella Hansch)

Woher stammt der ganze Plastikmüll in den Meeren? Und was ist das gefährliche daran?

80 Prozent des ganzen Mülls, der in den Meeren rumschwimmt, kommt tatsächlich vom Land. Viele denken ja, das sei alles Schiffsmüll, ist es aber nicht. Das meiste wird über Flussmündungen und unsere Küsten hinein getragen. Das heißt also, auch jede Tüte die hier irgendwo in der Kölner Innenstadt rumfliegt, landet irgendwann im Rhein, der Rhein mündet ins Meer und damit landet auch die Tüte irgendwann im Meer. Und das ist ein Riesenproblem, weil die ganzen Teile sich irgendwann zersetzen, immer kleiner werden und sich dann in den Fischen anreichern. Die großen Teile werden zum Beispiel von Schildkröten und Walen gefressen und landen im Magen. Das heißt, die haben irgendwann den ganzen Magen voller Plastik, können dann keine Nahrung mehr aufnehmen und verhungern im Prinzip mit vollem Magen. Das ist das Gefährliche an den großen Teilen. Die kleinen Teile setzen sich in den Mägen von den Fischen ab, da werden dann Toxine freigesetzt, die die DNA der Fische angreifen und verändern. Auch bei den Fischen, die wir beispielsweise essen, ist bei über 90 Prozent bereits Plastik in den Mägen drin, und dann nehmen wir das auf und verändern dadurch im Endeffekt auch unsere DNA.

Wie kann man sich die Technologie des Pacific Garbage Screenings vorstellen?

Technologie des Pacific Garbage Screening
Pacific Garbage Screening (Foto © Marcella Hansch)

Das Pacific Garbage Screening setzt konkret an, um bestehenden Plastikmüll einzudämmen und sinnvoll wiederzuverwerten. Aber wie lässt sich verhindern, dass überhaupt neuer Plastikmüll ins Meer gelangt?

Man muss dabei an mehreren Punkten ansetzen. Zum einen muss man den vorhandenen Müll aus dem Meer wieder rausholen, denn selbst wenn wir es heute schaffen würden, sämtliche Einträge ins Meer zu stoppen, würden die Müllstrudel die nächsten 10-20 Jahre noch weiter anwachsen, weil diese Strömungen sehr langsam und träge sind. Das Ganze ist ja praktisch ein einziges System auf der ganzen Erde, und überall wo schon etwas im Wasser ist, landet das früher oder später in einem dieser Strudel, und das kann wie gesagt 10-20 Jahre dauern. Was wir gerade untersuchen ist, dass wir nicht nur solche Plattformen in den Müllstrudeln einsetzen, sondern wahrscheinlich ist es sogar sinnvoller und effektiver, solche Plattformen an den Stellen anzusetzen, wo die Flüsse in die Meere strömen. Dort könnte man den Müll schon viel früher aus dem Wasser holen und hätte auch noch größere Partikel, die Fliessgeschwindigkeit ist höher, und das ganze Prinzip würde dort auch einfach schneller funktionieren. Das wollen wir jetzt in den nächsten Steps untersuchen. Wir wollen Standortanalysen machen, wo das am sinnvollsten ist. Ein weiteres Thema ist natürlich auch, dass man aufpassen muss, dass der ganze Plastikkonsum zurück geht. Das heißt, dass man einfach gar nicht mehr so viele Kunststoffe herstellt, gerade diese Dinge wie Plastiktüten oder eingeschweißtes Gemüse wie Paprika, denn Früchte haben von Natur aus bereits eine eigene Schale, eine eigene Verpackung, und das dann nochmal in Plastik einzuschweißen, ist totaler Quatsch. Die Nutzungsdauer einer Plastiktüte beträgt vielleicht 20 Minuten, aber die Lebensdauer bis zu 3000 Jahren, weil sich das Plastik nicht zersetzt.

Langlebigkeit von Materialien
Pacific Garbage Screening (Foto © Marcella Hansch)

Wie ist der Stand der Dinge: seid ihr noch in der Planung oder mitten in der Umsetzung?

Wir sind tatsächlich noch in der Planung. Die Idee, die ich damals hatte, ist erstmal nur eine Vision. Eins zu eins werden wir das so nicht bauen können. Wir arbeiten auch alle ehrenamtlich an dem Projekt, wir haben noch keinerlei Finanzierung außer ein paar Spenden, und der erste Step, den wir jetzt machen wollen ist Forschungsgelder einsammeln, damit wir Stellen an der Uni finanzieren können. Wir haben schon ein paar Studenten, die an den Themen arbeiten, die im Rahmen ihrer Masterarbeiten das Ganze berechnet haben, numerische Berechnungen im Wasserbau durchgeführt haben, um zu untersuchen, ob das Prinzip überhaupt funktioniert. Da haben wir schon positive Ergebnisse, das Prinzip wird funktionieren. Nur um eine Modellstudie machen zu können und einen Prototypen bauen zu können, und den mal in einen Kanal zu hängen, da braucht man halt Gelder für, weil diese Anlagen extreme Betriebskosten haben, die Simulationen sind unheimlich teuer, und das können Studenten nicht mal eben so nebenbei machen. Und dafür brauchen wir dringend Forschungsgelder. Deswegen haben wir Anfang des Jahres einen gemeinnützigen Verein gegründet. Vorher haben wir das alles als Privatpersonen gemacht, aber als Privatperson kann man weder Forschungsgelder beantragen noch Spenden einsammeln. Ein Teil unserer Arbeit ist also Forschung, aber ein anderer auch Marketing, weswegen wir auch den Plastic Ocean Film im Kino zeigen, um einfach auf das Thema aufmerksam zu machen und auch das Bewusstsein der Leute dafür zu schärfen.

Wodurch finanziert sich das Projekt? Gibt es eine Möglichkeit zu spenden, oder selbst aktiv mitzuwirken?

Was wir suchen sind Sponsoren und Investoren, die uns gerade in den ersten Steps helfen, weil das das Schwierige ist, denn wenn wir erstmal bewiesen haben, dass das Prinzip funktioniert, dann ist es auch einfacher, die großen Sponsoren zu finden. Am Anfang ist das noch sehr schwierig, weil es erstmal um die Erforschung der Grundlagen geht. Was wir auch suchen sind Mitglieder, was uns im kleinen Rahmen unterstützt. Für 12 Euro im Jahr kann man Mitglied werden. Zum anderen wollen wir ein Crowdfunding in den nächsten 2-3 Monaten machen. Wir bauen das gerade auf und müssen gucken, dass wir das auch wirklich gut machen, denn das ist in diesem Bereich etwas kompliziert. Da soll das Geld direkt in die Forschung fließen. Und natürlich kann man auch spenden und uns dadurch unterstützen.

Erste Eindrücke der Ocean Film Tour (Vol. 4):

 

Logo IOFT Volume4Mehr über den Film und die jeweiligen Spielzeiten erfahrt ihr auch auf der Website der International OCEAN FILM TOUR. Außerdem verlosen wir 2x Freikarten für die Filmvorführung am 05. April 2017 in Köln. Einfach bei Facebook in die Kommentare unter diesen Beitrag schreiben, wie Ihr Plastikmüll vermeidet. Der Verfasser des Kommentars mit den meisten „gefällt mir“ bekommt die Karten. Viel Glück!

Landlinien wurde Anfang 2009 von Designerin Daniela Klütsch gegründet. In ihrer Agentur daklue beschäftigt sie sich hauptberuflich mit Kommunikation für nachhaltige Unternehmen. Wie beim Reisen spielt auch dort das Thema „Entschleunigung“ eine große Rolle. Wenig kommunizieren, dies aber bewusst, achtsam sein, mit sich selbst und seiner Umwelt… das sind Gedanken die sie Tag für Tag antreiben

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