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Tradition und Moderne im Norden Thailands

Eine Woche auf Entdeckungstour in Chiang Mai

Im Norden Thailands ungefähr 700km von Bangkok entfernt liegt Chiang Mai. Von der thailändischen Hauptstadt aus überwindet man diese Strecke am besten entweder per Flugzeug oder Zug. Auch wenn der Flieger nur ungefähr eine Stunde benötigt, entscheiden wir uns im Januar 2017 für die 11-stündige Zugfahrt ganz nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“. Nach den hektischen Tagen in Bangkok tut uns der entschleunigte Modus sehr gut, zumal es einfach nur spannend ist zu beobachten, wie die Landschaft sich verändert. Im Nachtzug wäre uns dieses Naturerlebnis entgangen.
Mit ungefähr 135.000 Einwohnern ist Chiang Mai recht überschaubar. Das Zentrum bildet die quadratisch geformte Altstadt mit ca. 1,5 km² Fläche, und rundherum sind die verschiedenen Stadtteile angesiedelt. Sobald man die Stadt verlässt, befindet man sich im Dschungel.

Mit dem Zug nach Chiang Mai

Obwohl die Stadt auch bei den Touristen einen hohen Beliebtheitsgrad hat, geht es hier doch sehr authentisch thailändisch zu. Aufgrund der großen Universität, in der überwiegend naturwissenschaftliche und technische Fakultäten beheimatet sind, macht Chiang Mai einen jüngeren, hipperen und alternativeren Eindruck. Immer wieder entdecken wir Coworking Spaces oder moderne Cafés, in denen sich junge Menschen mit Laptops tummeln. Neben vielen Studenten leben in Chiang Mai auch vergleichsweise viele Expats, denn es gibt hier einige Firmen, die auch ausländische Mitarbeiter anstellen, was in Thailand aufgrund der strengen Einwanderungsgesetze normalerweise nicht ohne Weiteres möglich ist. Eine dieser Firmen ist CLBS (Chiang Mai Lanna Business Services), die Dienstleistungen im Kundenservice anbietet und dafür Muttersprachler für deren ausländische Kunden benötigt. Wir durften Mitte des Jahres auf der Jobmesse in Düsseldorf einige sehr nette Mitarbeiter aus der Personalabteilung des Unternehmens kennen lernen. Für Menschen, die damit liebäugeln, zeitweise oder dauerhaft nach Thailand auszuwandern, ist die CLBS eine interessante Anlaufstelle.


ChiangMai Top5: Spaziergang

1 // Gemütlicher Spaziergang durch die Stadt

In Chiang Mai und Umgebung gibt es viel zu entdecken. Am ersten Tag entscheiden wir uns dazu, erstmal das Stadtzentrum zu erkunden. Wir laufen zu Fuß von unserer Unterkunft im Univiertel die Suthep Road einfach immer geradeaus und landen so automatisch mitten im Zentrum der Altstadt. Unterwegs kommen wir am überdachten Ton Payom Markt vorbei. Neben der gewohnten Vielfalt, die man von thailändischen Märkten kennt, fällt mir auf, dass es hier besonders viele Stände mit frittierten Raupen gibt, und auch viele Stände mit riesig großen Bratwurstschnecken, die ich das erste mal in Thailand sehe. Die Bratwürste sind eine Spezialität Chiang Mais und enthalten grobes ziemlich fettes Schweinefleisch, und viel Chili und Kaffir. Eine weitere nordthailändische Spezialität ist Khao Soi, eine kräftige Nudelsuppe, die ein wenig an die indische Küche erinnert. Es gibt in Chiang Mai sogar Wettbewerbe, bei denen die beste Khao Soi gekürt wird. Für mich auch ein großer Genuss und fortan mein tägliches Frühstück.

Etwas weiter stadteinwärts legen wir eine spirituelle Pause am beeindruckend schönen Wat Suan Dok ein. Neben einem kleinen Park mit unzähligen weißen Chedis gibt es einen großen Tempel, dessen Besichtigung 20 Baht Eintritt kostet. Das Eintrittsgeld wird für die Instandhaltung und Pflege der gesamten Anlage verwendet und weiterhin für ein Begegnungszentrum, in dem man unter anderem Meditationsretreats für 1 bis 2 Tage buchen oder sogenannte Monkchats führen kann.

Nach insgesamt knapp drei Kilometer Fußmarsch erreichen wir die Altstadt, die komplett von einem großen Wassergraben und Teilen der alten Stadtmauer umrahmt ist. Im Zentrum Chiang Mais befinden sich viele Cafés, Restaurants und Boutiquen, aber auch mehrere große und historische Tempelanlagen. Man kann hier wunderbar entspannt durch die Straßen schlendern und dabei das gemütlich urbane Treiben beobachten.

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ChiangMai Top5: Kochkurs

2 // Thai Secret Cooking School

Da eine meiner größten Leidenschaften dem Kochen gilt, und Danni zumindest gerne isst, nehmen wir an einem ganztägigen Kochkurs in der Thai Secret Cooking School Teil. Der Tag beginnt damit, dass wir von einem Fahrer vor unserer Unterkunft abgeholt und zunächst zum Sam Yaek Markt gebracht werden. Dort lernen wir auch unsere Kochlehrerin May kennen, die uns erstmal über den üppigen Markt führt. Dabei gibt sie uns eine Einweisung in die typischen Zutaten der Thaiküche und erklärt, wie man deren Qualität erkennt.

Danach geht es weiter zur Farm, wo wir mit Hut, Körbchen und Messer ausgestattet erstmal durch den hauseigenen Gemüse- und Kräutergarten geführt werden, in dem ausschließlich bio angebaut wird. Wir schneiden uns ein paar Kräuter, Gewürze und ein paar Blüten der blauen Klitorie ab. Mit diesen werden wir später den Reis blau einfärben. Woher der Name der Pflanze kommt erklärt sich, wenn man sich ein Foto der Blüte anschaut.

Wir kochen den Tag über insgesamt sechs Gerichte, mörsern unsere Currypasten selbst, stellen in schweißtreibender Handarbeit frische Kokosmilch her und essen unglaublich viel und lecker. Dabei erzählt uns die herzliche May immer wieder lustige Geschichten und Anekdoten aus dem typischen Leben der Thais. Am Ende des Tages bekommt jeder Teilnehmer noch ein Rezeptbuch und eine Urkunde ausgehändigt, bevor wir müde und vor allem satt wieder nach Hause gefahren werden. Wir beschließen noch auf der Heimfahrt, dass wir uns in Deutschland ein Gaskochfeld und einen Wok kaufen werden.

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ChiangMai Top5: Nationalpark

3 // Nationalpark Doi Suthep: Welcome to the Jungle!

Westlich von Chiang Mai liegt der 261 km² große Doi Suthep Pui Nationalpark, der nach den beiden höchsten Bergen Doi Pui (1685m) und Doi Suthep (1676m) benannt ist. Am östlichen Eingang in der Nähe des Zoos befindet sich das Nationalpark-Headquarter, wo man neben wertvollen Informationen auch eine kostenlose Landkarte bekommen kann. Mit dieser wandern wir los bis hinauf zum Monthathan Wasserfall. Der erste Abschnitt ist recht steil und startet am Huay Keaw Wasserfall hoch bis zum Wang Bua Ban Aussichtspunkt, der sich direkt oben am Wasserfall befindet. Der teilweise sehr schmale Weg geht über Stock und Stein mitten durch tiefsten Dschungel und erfordert hin und wieder Schwindelfreiheit und Trittsicherheit. Es sind immer wieder in Sichtweite orangene Tücher und Bänder um Bäume gebunden, so dass man sich nicht verlaufen kann.

Danach muss man ein Stück auf der Sepentinenstraße hoch laufen, bis irgendwann rechts eine kleine Straße abzweigt mit einem Wegweiser zum Monthathan Wasserfall. Hier muss man einen Eintritt von 100 Baht pro Person bezahlen und dann nochmal drei km weit die Straße entlang den Berg hochwandern. Unterwegs links und rechts der Straße liegt tiefstes und grünstes Dickicht, klanglich untermalt von Vogel- und Zikadengesängen. Die Blätter der Pflanzen sind teilweise so riesig, dass man sie als Pavillondach benutzen könnte.

Der Monthathan Wasserfall selbst ist eigentlich zwei Wasserfälle. Einer liegt unten, und dann führt noch ein Weg weiter den Berg hinauf zu einem zweiten. Bei beiden Wasserfällen gibt es unten ein Becken, in dem man baden kann. Die Natur ist hier einfach atemberaubend. Das ganze Szenario wirkt so übertrieben stereotyp und entspricht so sehr meiner inneren Vorstellung von „Dschungel“, dass ich mich nicht wundern würde, wenn Tarzan sich plötzlich an einer Liane durchs Bild schwingen würde.

Unsere Tour haben wir übrigens als GPS Track bei komoot aufgezeichnet.

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ChiangMai Top5: Tempel

4 //  Der Wat Phra That Doi Suthep Tempel

Vom Zoo aus fährt man mit dem Songthaew etwas mehr als eine halbe Stunde die steile und kurvige Straße den Berg hinauf, bis man das Wahrzeichen Chiang Mais erreicht. Die Tempelanlage ist ein beliebtes Ziel sowohl für Touristen als auch für Einheimische, weswegen es hier immer sehr trubelig zugeht. Vom Parkplatz aus führt eine mit Nagas verzierte Treppe 200 Stufen hinauf zur Tempelanlage. Das gesamte Areal wirkt nicht zuletzt wegen der großen goldenen Chedi sehr prachtvoll und beeindruckend.

Danni erzählt mir später nach ihrem Besuch des Tempels, wie beeindruckend es war, allein nur die Menschen bei ihren Riten zu beobachten. Die Verehrung Buddhas unter den Thais ist groß, das kann man an ihrer Hingabe erkennen. Es wird üppig gespendet und Opfergaben werden überbracht, sei es in Form von Geldscheinen, Kerzen oder Blüten. Die Chedi wird im Uhrzeigersinn umrundet und den Blick in die Zukunft verrät das chinesische Horoskop in Form von Holzstäbchen. Unser Tipp: viel Zeit mitbringen und das Treiben in Ruhe beobachten oder eine Führung buchen.

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ChiangMai Top5: Hmong

5 // Der Kaffee der Hmong-Bergvölker

Der Weg zum Hmong Dorf Ban Khun Chang Khian erweist sich als Abenteuer. Ein freundlicher Taxifahrer bietet uns an, uns für 1000 Baht von der Suthep Road aus hin und zurück zu kutschieren. Wir sind ebenso ahnungslos wie er, auf was wir uns da einlassen. Es geht erstmal fast eine Stunde die mäandernde Straße steil den Berg hinauf bis auf über 1500 Meter. Es wird merklich kühl. Irgendwann scheint der Taxifahrer sich nicht mehr auszukennen und spricht mit ein paar Männern am Straßenrand, die auf einmal anfangen zu kichern. Einer der Männer teilt uns dann mit, dass man das Bergdorf nur mit einem Allradfahrzeug und einem erfahrenen Fahrer erreicht, und unser Fahrer uns noch bis zu einem Punkt bringen wird, von wo aus wir in ein Allradfahrzeug umsteigen können. Okaaaay…

Wir steigen also um in ein tauglicheres Gefährt mit einem tauglicherem Fahrer. Wir sind gespannt. Ab hier wird es zunehmend steiler, enger und unbefestigter, teilweise besteht der Untergrund einfach nur aus nassglitschigem Lehm. Auf der rechten Seite geht es an vielen Stellen ein paar hundert Meter weit hinunter, und keinerlei Leitplanke oder Begrenzung würde eine falsche Lenkbewegung des Fahrers abfangen. Ein ganz besonderer Thrill sind dabei entgegenkommende Fahrzeuge, wenn die geübten Fahrer mit buddhistischer Gelassenheit vorsichtig und mit Anweisungen von draußen aneinander vorbei rangieren. Oben angekommen fühlen wir uns ins Mittelalter zurückversetzt. In einfachen Holzhütten leben die Menschen hier weitgehend ohne Strom und fließendes Wasser. Überall laufen Hunde, Katzen, Hühner und sogar einige Schweine und Ziegen frei herum.

Die Hmongvölker bauen hier unter anderem Kaffee an, der von Hand geerntet und weiterverarbeitet wird. Eine Einwohnerin erklärt uns mit Händen und Füssen, wie das mit einfachen handbetriebenen Geräten gemacht wird. Im Chong Wa Café, welches gleichzeitig auch ein Minimarkt ist, dürfen wir uns von der ausgezeichneten Qualität des Khun Chang Khian Kaffees überzeugen.

Im östlichen Teil des Dorfes liegt eine Schule, bei der wir zuschauen können, wie eine Klasse gerade von einem Mönch unterrichtet wird. Andere Kinder spielen in den Klassenräumen oder auf dem Schulhof. Sie tragen teilweise wunderschöne traditionelle Kleidung. Im seitlichen Teil der Schule ist eine Große Terrasse, von der aus man einen spektakulären Blick ins Tal über ganz Chiang Mai hat.

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Unterkunft auf dem Uni Campus

DCondo Unterkunft mit Pool
DCondo Unterkunft mit Pool

DCondo Unterkunft mit PoolWir haben uns für fünf Tage ein wunderschönes Apartment über Airbnb auf dem Dcondo Campus Resort gebucht. Die Anlage ist sehr gepflegt, und ein großer Swimming-Pool und ein Fitness-Center stehen zur kostenlosen Mitbenutzung zur Verfügung. Auch die Lage am westlichen Stadtrand direkt gegenüber des Unicampus ist perfekt, da man einerseits linker Hand direkt den Dschungel hat und rechter Hand die Suthep Road stadteinwärts führt, auf der links und rechts eine Straßen-Garküche neben der anderen steht, und man zu Studentenpreisen zu jeder Zeit leckerstes Essen bekommt.

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Mein Fazit:

Bei der klassischen Frage „Meer oder Berge?“, wenn es um das Urlaubsziel geht, ist die Antwort bei mir eigentlich immer klar: Meer! Deswegen hat es auch fünf Thailandurlaube gebraucht, bis ich es endlich nach Chiang Mai geschafft habe. Ich war auch bis zuletzt sehr skeptisch, ob das die richtige Entscheidung war. Aber sie war es! Und wir werden sehr bald wiederkommen, vielleicht sogar für längere Zeit.

 

Thailand hat es Nick Reiter besonders angetan. Bereits fünfmal in Folge bereiste er dieses Land in den letzten 6 Jahren. Auf der Suche nach besonderen Abenteuern kommt er auf seinen Reisen schnell mit Einheimischen in Kontakt und mag es Kultur und Kulinarik abseits vom Touristenstrom zu erleben. Neben Landlinien gilt Nicks zweite Leidenschaft dem Kochen, welche er bei Lieblingsleckereien regelmäßig dokumentiert.

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