Auf dem Burren Way durch die Steinwüste Irlands

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Irland kenne ich fast so gut wie meine eigene Heimat. Jeden Sommer meiner Kindheit habe ich hier verbracht, und auch heute noch „muss“ ich jedes Jahr einmal dorthin fahren, sonst fehlt mir etwas. Ich fühle mich mit diesem Land verbunden und trage meine Erinnerungen daran tief im Herzen mit mir. Schon damals waren meine Schwester und ich zusammen mit meinen Eltern viel in der Natur, ob Blaubeeren sammeln in den Bergen, Rad fahren über die Aran Islands oder angeln auf dem See. Doch für´s wandern waren wir damals zu jung, und später als Teenie fanden wir es einfach nur langweilig. Da ist uns was entgangen, das weiß ich jetzt nachdem ich vor 2 Jahren das erste Mal (!) in Irland auf dem Fernwanderweg Wicklow Way unterwegs war. Nach weiteren Tageswanderungen in Kerry und Donegal weiß ich heute, dass der Wicklow Way mit der beste Fernwanderweg in Irland ist. Man läuft hier wenig über Asphalt, die Beschilderung und Infrastruktur ist sehr gut und Infomaterial gibt es zu Genüge.

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Das ist bei den Wanderwegen in Irland leider nicht immer der Fall, was auch daran liegen mag, dass die Iren an sich nicht unbedingt „das“ Wandervolk sind. Vielleicht auch nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass gerade die Wanderrouten durch Connemara und die Burren im Westen Irlands alte Fluchtwege während der großen Hungersnot Ende des 19. Jahrhunderts streifen. Aber wenn man genau hinschaut, findet man sie, die engagierten Menschen vor Ort und lokale Organisationen, die neue Wanderwege ausbauen und vorhandene pflegen. Dadurch hatte ich auch immer schon den Burren Way im Kopf, den ich des öfteren schon mit dem Auto gekreuzt hab, aber nie erwandert habe. Das sollte sich dieses Jahr ändern… nach meinen Recherchen im Web, fand ich zwar vereinzelte Infos und Reiseangebote, aber keinen wirklich guten Reisebericht, den ich hätte zum „Nachreisen“ nutzen können. Daher war schnell klar: dann muss ich das selber machen!

Hintergründe & Geschichte

Mitten in den Burren, von Ballyvaughan bis FanoreDer Name des Burren Way leitet sich schlichtweg von der Region ab, durch die er sich schlängelt. „Burren“ ist eigentlich ein gälisches Wort, das „Boireann“ geschrieben wird und soviel wie „steiniges Felsland“ bedeutet. Dieses Felsland erstreckt sich über eine Fläche von etwa 560 qm an der Atlantikküste der Grafschaft Galway und Clare entlang. Vor über 340 Millionen Jahren formierte sich die Landschaft aus zusammengepressten Überresten von Meereslebewesen (wie Korallen, Schalentiere und Plankton), was wir heute als Kalkstein vorfinden. Daher kann man hier auch immer wieder viele Fossilien entdecken. Auch die vorgelagerten Aran Islands sind von dieser Kalksteinformation geprägt.

150923–Landlinien–BurrenWay-667Aber wer denkt, hier gäbe es „nur Steine“, der hat weit gefehlt: etwa 70% der einheimischen Pflanzenarten Irlands wachsen hier! Das Besondere daran ist, dass man hier neben arktisch-alpinen Pflanzen auch Arten des Mittelmeerraums vorfindet. Besonders üppig blüht in den Burren der Frühlings-Enzian und verschiedene Orchideen. Das heutige Erscheinungsbild haben die Burren nicht einfach der Natur, sondern tatsächlich dem Menschen zu verdanken: durch das Roden der ursprünglichen Kiefern- und Haselwälder schafften die Bauern damals Weidenlandschaft für ihr Vieh und legten gleichzeitig das „Kalk-Skelett“ frei. Das Vieh wiederum hält das Gras ganzjährig kurz und ermöglicht somit den heimischen Pflanzen, sich ungestört entfalten zu können.

150922–Landlinien–BurrenWay-240Die erste Besiedelung der Burren Region fand vor etwa 6000 Jahren statt. Die Steine und Felsen gelten daher auch als Merkmale, die die Geschichte der Menschen von damals erzählen. Sie errichteten damit nicht nur ihre Häuser und Höfe, sondern steckten auch ihre Felder damit ab, hielten Vieh zusammen in sogenannten Cahers (Ringwallanlagen) und bestatteten ihre Angehörigen unter den bekannten Dolmen (Portalgrab). In einem Buch über die Burren lesen ich davon, dass jede Steinformation einer andere Bedeutung trägt, sogar die zum Teil kilometerlangen Mauern, ganz so als seien es „historische Aufzeichnungen aus Stein“. Die Burren gelten daher auch als die Region in Irland mit der dichtesten Konzentration an religiösen Stätten.

Auf dem Weg von Ballyvaughan bis FanoreHeute sind 90% der Burren in privater Hand, die vor allem landwirtschaftlich genutzt werden. Daher werden die Bauern und Landwirte im Volksmund auch als „Wächter der Burren“ bezeichnet. Letztlich entscheiden sie über den Gebrauch des Landes und sind verantwortlich für dessen Pflege. Auch die Wanderwege, wie der Burren Way, verlaufen über ihre Ländereien. Heute gibt es nur noch etwa 500 Landwirte in der Region, gerade mal halb soviel wie noch vor 30 Jahren. Das Land und die damit einhergehenden Traditionen werden innerhalb und über Generation hinweg weiter gegeben. Daher ist es auch wichtig, dieses Erbe zu schützen und zu unterstützen, z.B. durch Konsum von lokalen Produkten, das Übernachten vor Ort (und nicht nur mit dem Bus zu den Cliffs of Moher und zurück) sowie Führung durch die Landschaft über lokale Organisationen.

Der Burren Way

150922–Landlinien–BurrenWay-154Inmitten der Burren wandert man häufig auf sogenannten „Green Roads“, den „alten Straßen“ der Burren. Ein Großteil davon entstand während der großen Hungersnot als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme der Briten. Heute werden diese oft noch genutzt, um das Vieh von Feld zu Feld zu treiben. Eine genaue, einheitliche Aussage darüber wie der Burren Way verläuft und wie lang er ist, gibt es meiner Recherche nach nicht. Auf der Website von Discover Ireland finde ich eine Route von 123 km über 7 Etappen, die sich wie Adern durch die Region schlängeln. Auf Basis dessen suche ich mir davon eine Strecke heraus, die man als Fernstrecke von einem Ort zum anderen laufen kann und modifiziere sie noch etwas. Die erste Etappe beispielsweise verbinde ich mit dem Black Head Loop Wanderweg, der auf einer der Green Roads nah an der Küste verläuft. Wichtig ist mir bei allen Etappen, dass man sie A) jeweils gut an einem Tag laufen kann, B) Start- und Endpunkt mit dem Bus erreicht und C) dort eine Unterkunft vorfindet.

Meine Etappen:

Etappe 01: Ballyvaughan – Fanore (20 km)
Etappe 02: Fanore – Doolin (17 km)
Etappe 03: Doolin – Cliffs of Moher (8 km)
Etappe 04: Cliffs of Moher – Lahinch (19 km)

Wissenswertes über die Strecke

Länge: 65 km
Höhenmeter: 770 m hoch, 760 runter
Etappen: 3-4 Tage (ohne Zwischenstopp)
Verlauf: Ballyvaughan – Fanore – Doolin – Lahnich
Anreise: Bus 350
Markierung: Wanderer und Pfeil in gelb
Karten: Ordnance Survey 51 & 57
Beschaffenheit: etwa 1/2 über Asphalt
Unterkunft: Hostels (außer rund um Fanore, dort B&B)
Essen & Trinken: in jedem der genannten Orte (keine Einkehr während Etappe 01)
Wetter: ganzjährig möglich, von Nov bis Feb allerdings stürmisch

Meine persönlichen Tipps

Auf dem Weg von Ballyvaughan bis FanoreWenn ich eine Etappe als Favoriten wählen müsste, würde ich die von Ballyvaughan nach Fanore wählen. Auch wenn sich der Einstieg etwas schwierig gestaltete, hat mich diese Wanderung mitten durch die Kalksteinwüste am Meisten beeindruckt. Die Landschaft ist so ganz anders und speziell, der Ausblick auf den Atlantik bis zu den Aran Islands beeindruckend. Hier würde ich beim nächsten Mal mehr Zeit mitbringen und von Fanore aus mehr das Landesinnere erkunden.

Orchid House (Dereen, Fanore)Um die Versorgung mit Essen und Trinken muss man sich in Irland wirklich keine Gedanken machen, auch nicht auf dem Burren Way. Alle Orte, die ich zum Beginn/ Ende der Etappen passiere, haben entweder einen Supermarkt oder Pub/ Restaurant/ Café, wo man sich eindecken kann. Auch auf dem Weg komme an Cafés vorbei, außer auf der ersten Etappe von Ballyvaughan nach Fanore. Aber dafür reicht dann auch ein Lunchpaket, zusammengestellt im lokalen Shop/ Tankstelle.

150928-Landlinien–Irland-Lahinch-26Wer es etwas sportlicher mag, so wie ich, der wird an dem Ort Lahinch Gefallen haben. Der Ortsstrand ist bekannt für seine Wellen, weshalb auch ganze sieben Surfschulen vor Ort Kurse und Bretter zum leihen anbieten. Außerdem kann man dort noch Kajaks leihen, Mountainbike fahren, in den Burren klettern oder einfach nur schwimmen gehen (im Meer oder im beheizten Schwimmbad). Ein frisch gezapftes Guinness in einem der gemütlichen Pubs am Abend runden den Tag bestens ab!

Weitere Infos & lokale Anbieter

The Burren Ecotourism
(Infos über Wanderwege, lokale Anbieter, Events und Unterkünfte)

The Burren and Cliffs of Moher Geopark
(Detaillierte Infos über den Naturpark, die Geschichte und aktuelle Events)

The Burren Foodtrail
(Auf einem Weg regionale Köstlichkeiten entdecken)

Activity & Action Trail
(Übersicht aller Anbieter von sportlichen Aktivitäten in den Burren)

“Free Cup of Tea, Cycling to me!”
(Aktion für Radfahrer in den Burren)

Daniela Klütsch

Hinter Landlinien steckt vor allem das Gesicht von mir, Daniela Klütsch. In meinem Blog Landlinien möchte ich über jene Routen berichten, die ich selber bereist habe. Den Anstoß zu diesem Blog gab mir das Buch „100 legendäre Reiserouten“ und meine Tour auf dem Jakobsweg Anfang 2009. Seitdem schreibe ich hier über das Reisen und Wandern in der Natur. Was mich neben Landlinien sonst beschäftigt, hier mehr über mich.

Kommentare (4) Schreibe einen Kommentar

  1. Huhu liebe Karin,

    oh wie schön: noch eine Irland Begeisterte!

    Dein Bericht bringt es auf den Punkt: das mit dem irischen Wetter ist etwas für Gelassene, oder fördert zumindest gelassen zu werden :-) Das hab ich besonders zu spüren bekommen als ich von Doolin zu den Cliffs of Moher genwadert bin. Da hieß es dann nur noch ducken, Mütze an und abwarten: http://www.landlinien.de/irland/burren-way-03-doolin-cliffs-of-moher/

    Ich bin gespannt auf weitere Berichte von Dir, gerade über die Fernwege, und werde weiter fleißig lesen. Bist Du eigentlich auch auf Facebook oder Instagram?

    Sonnige Grüße aus Köln,
    Danni

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